11. April 2021 / Hilfe und Beratung

Was macht eigentlich ein Gütersloher Brite nach dem Brexit?

Ein neues Aufenthaltsdokument ist Pflicht – egal wie lange man in Deutschland lebt

von AS

Brexit bedeutet für Gütersloher Briten mehr Bürokratie, denn ein neues Aufenthaltsdokument muss her. Wie das dann abläuft, erfahrt ihr in diesem Beitrag. 

Pressemeldung Stadt Gütersloh

“Ich hab’ nie gedacht, dass ich sowas mal beantragen muss.” Michael Tucker seufzt. Der Musiker und Inhaber der Gütersloher MusikGalerie am Dreiecksplatz ist in Gütersloh geboren und aufgewachsen, der Akzent ist – wenn überhaupt – westfälisch. Und dennoch: Tucker ist britischer Staatsbürger und das bedeutet seit dem 1.1.2021: zunächst einmal ein bisschen mehr Bürokratie. Denn der Brexit erfordert ein neues Aufenthaltsdokument.
 
So wie Michael Tucker hat Nicole Pollklas, Leiterin der Ausländerbehörde im Gütersloher Rathaus, in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Menschen beraten und Auskunft gegeben, denen es ähnlich geht. Viele Anrufe, besonders von älteren Menschen habe es gegeben, auch Unsicherheit und immer wieder mal die Frage: „Muss das wirklich sein?“
 
Ja, es muss, denn mit dem Austritt Großbritanniens aus der EU haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Ende 2020 sind deshalb rund 250 Briten und Britinnen in Gütersloh von der Verwaltung angeschrieben und gebeten worden, ihren Aufenthalt in Deutschland der Ausländerbehörde spätestens bis Juni diesen Jahres anzuzeigen. „Die meisten, die sich hier bisher zurückgemeldet haben,  haben längst ein Daueraufenthaltsrecht erworben, weil sie schon lange hier wohnen und arbeiten,“ sagt Nicole Pollklas. Schon im Vorfeld des Brexit habe es bereits zahlreiche Anfragen gegeben über den zukünftigen Status und darüber, was zu tun sei. So haben Anfang des Jahres bereits 140 Menschen mit britischer Staatsangehörigkeit Übergangsdokumente erhalten, da zu dieser Zeit noch keine elektronischen Aufenthaltstitel – „eATs“ – erstellt werden konnten. Sie wurden als erste eingeladen, die nötigen Vorgaben für den „eAT“ zu erbringen:  Fingerabdrücke, Augenfarbe und Größe werden beim persönlichen Termin abgenommen, um das Aufenthaltsdokument im Scheckkartenformat zu bestellen, der dann bis zu zehn Jahre Gültigkeit hat.
                  
Auch Michael Tucker hat im Dezember Post bekommen und schnell reagiert. Beim Termin mit Nicole Pollklas sind alle nötigen Dokumente beisammen, Fingerabdrücke werden gemäß Corona Hygiene-Vorgaben mit dem nötigen Abstand und Trennscheibe genommen, Unterschriften geleistet – und das war’s dann für den Gütersloher Briten Michael Tucker. Im täglichen Leben bleibt für ihn alles wie gewohnt – abgesehen von den Einschränkungen durch Corona, die den Alltag im vergangenen Jahr nicht gerade leicht gemacht haben. Und dennoch: „Der Brexit und all das, was damit zusammenhängt, das macht schon was emotional mit einem,“ gibt Tucker zu. Er plant, im nächsten Schritt die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen und bleibt doch „im Herzen“ Brite: als Fan des FC Liverpool und Marmite,  dieser sehr britischen Würzpaste und als Teil einer sehr britischen Familie, zu als Tuckers Großvater der legendäre Chef des Symphonischen Blasorchesters P.B.Smith gehörte. 
 
BU:
Muss sein:  Nach dem Informationsgespräch mit Nicole Pollklas, Leiterin der Gütersloher Ausländerbhörde, folgen für Gütersloh-Briten Michael Tucker Unterschrift und Fingerabdruck. Fotos: Stadt Gütersloh

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