22. Oktober 2024 / Im Interview

Corona: Ist da eigentlich noch was?

Dr. Gernot Schoch aus dem St. Elisabeth Hospital im Interview

von Sybille Hilgert, Auszug aus der gt!nfo (Ausgabe Oktober 2024)

Corona ist gekommen, um zu bleiben. Im persönlichen Umfeld tauchen zunehmend wieder Corona-Infektionen auf. Wir wollten von Dr. Gernot Schoch, Chefarzt im Fachbereich Pneumologie des St. Elisabeth Hospitals wissen, wie es aktuell um die Infektionslage steht. 

Herr Dr. Schoch: Wie ist der aktuelle Stand der Corona-Infektionen bei Ihnen?
→ Dr. Schoch: Nach den Sommerferien kam es vermehrt zu stationären Behandlungen von Corona-Patienten. Meist waren die Patientinnen und Patienten in einem höheren Alter. Sie hatten vor allen Dingen Allgemeinsymptome wie Halsschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlappheit und ein Fieber mit Schwäche. 

Gibt es weiterhin schwere Fälle?
→ Dr. Schoch: Schon seit einiger Zeit beobachten wir die typische virale Corona- Lungenentzündung mit dem typischen Röntgen-Befund kaum noch. Sehr selten entwickeln zum Beispiel durch längere Bettlägerigkeit geschwächte Patientinnen und Patienten eine sogenannte sekundäre, durch Bakterien ausgelöste Lungenentzündung unter einer COVID-Infektion. Aber der überwiegende Anteil der an einer COVID-Infektion Erkrankten zeigt einen leichten Krankheitsverlauf einer Atemwegsinfektion mit Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Rachen- und Halsschmerzen. Diese bessern sich aber meist nach wenigen Tagen deutlich.

Wir haben dieses Frühjahr und bis in den Sommer zahlreiche Patienten mit einer schweren Lungenentzündung behandelt. Es stellte sich aber heraus, dass es sich häufig um eine sogenannte atypische Pneumonie handelte - mit einem anderen Keim und nicht im Rahmen einer Corona-Infektion. Die letzte Infektionswelle im Sommer mit Fieber und Atemwegsinfekten ist zudem wahrscheinlich auch auf eine Häufung von Erkrankungen durch Rhinoviren zu erklären.

Also handelt es sich um eine „normale“ Erkältungswelle?
→ Dr. Schoch: Ja, so wie in den letzten 50 Jahren auch. Im Rahmen dieser Erkältungswelle werden vermehrt Praxen und Krankenhäuser von Patienten mit erkältungstypischen Symptomen aufgesucht. COVID-Viren haben hier nur einen Anteil an der Erkältungswelle. 

Würden Sie Impfungen empfehlen?
→ Dr. Schoch: Ich würde eine Impfung vor allen Dingen Patienten mit einem geschwächten Immunsystem z.B. Patienten, die Rheuma- oder immunschwächende Medikamente nehmen, empfehlen. Auch Personen über 70 Jahre empfehle ich eine Corona-Impfung, ebenso wie eine Grippeschutzimpfung. Das Risiko, in diesem Alter eine schwere Grippe- oder Corona-Erkrankung zu bekommen, ist ohne Impfung einfach erhöht.

Sollten sich auch jüngere Menschen impfen lassen?
→ Dr. Schoch: Auf jeden Fall sollten sich diejenigen, die im medizinischen Bereich oder in der Pflege kranker Patienten arbeiten, impfen lassen

Gibt es bei Ihnen Long-Covid Fälle?
→ Dr. Schoch: Dazu kann ich wenig sagen, da diese Patienten häufig in einem universitären Zentrum behandelt werden. In unserem Akut-Krankenhaus stellen diese Patienten daher eine Seltenheit dar.

Was kann man tun, wenn man sich infiziert hat?
→ Dr. Schoch: Das, was man bei einer Erkrankung am besten tut: sich ins Bett legen, ausruhen, genug trinken und wenn man fit ist, wieder aufstehen. Bei über mehrere Tage anhaltendem hohen Fieber oder Luftnot sollte man aber eventuell den Hausarzt informieren und entscheiden, ob eine Vorstellung sinnvoll ist. Natürlich sollte man als akut Erkrankter darauf achten, dass man keine Risikopatienten im Umfeld ansteckt. Der Großteil der Bevölkerung hat meiner Ansicht nach mehrfach mit Coronaviren Kontakt gehabt und unser Immunsystem ist entsprechend vorbereitet.

Herr Dr. Schoch, vielen Dank für das Gespräch. 

Das Foto zeigt Dr. Gernot Schoch, Chefarzt im Fachbereich Pneumologie des St. Elisabeth Hospitals. Er beantwortete unsere Fragen zur aktuellen Corona-Lage.

Fotoquelle: ©St. Elisabeth Hospital

→ Auszug aus der gt!nfo (Ausgabe Oktober 2024)

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