17. November 2025 / Kreis Gütersloh

Kinderverschickung im Kreis Gütersloh nach 1945

Gütersloh. In der jungen Bundesrepublik Deutschland erschienen Kinderkuren als wichtiges Mittel, um den Folgen von...

von Jan Focken

Gütersloh. In der jungen Bundesrepublik Deutschland erschienen Kinderkuren als wichtiges Mittel, um den Folgen von Mangelernährung und schwierigen Wohnverhältnissen nach dem Zweiten Weltkrieg zu begegnen. Die Kuren sollten der Gesundheit der Kinder dienlich sein oder ihnen eine Art Ferienerholung bieten. Bis vor wenigen Jahren wurde die Kur- und Heilfürsorge für Millionen Kinder und Jugendliche als ‚Erfolgsgeschichte‘ geschrieben. Doch dieses Bild hat Risse bekommen. Viele erlebten die Kuren tatsächlich als Urlaub, nicht wenige verbanden mit ihrer damaligen Kur aber auch negative Erlebnisse: Heimweh, autoritärer Erziehungsstil und lieblose Betreuung sind typische Motive. Physische und psychische Gewalt, Schikanen und Essenszwang ließen einige verschickte Kinder sogar traumatisiert zurück. 

Die Ausstellung und die Broschüre des Kreisarchivs zu diesem Thema konzentrieren sich auf den Bereich des heutigen Kreises Gütersloh: Wie lief die Verschickung der Kinder aus dem Kreisgebiet ab? Gab es Heilstätten und Erholungsheime auch im Kreisgebiet? Wie haben die Kinder die Verschickung erlebt? Im Fokus der Ausstellung und der Broschüre stehen der Ablauf und die Organisation der Verschickung in den ehemaligen Kreisen Halle und Wiedenbrück. Fünf Erholungsheime werden detaillierter vorgestellt: das Kindererholungsheim der Kreise Beckum und Wiedenbrück in Bad Waldliesborn, das Sanatorium Dr. Ide auf Amrum (von den Kreisen Lippstadt, Soest und Wiedenbrück belegt), das Kindererholungsheim der Caritas in Marienfeld, das Kindererholungsheim des DRK im Sozialwerk Stukenbrock und die Lungenheilstätte in Rheda.

Die Ausstellung ist ab sofort bis Ende Januar 2026 im Kreisarchiv während der Öffnungszeiten zu sehen (dienstags 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr, mittwochs 10 bis 12.30 Uhr, donnerstags 10 bis 12.30 und 14 bis 17 Uhr). Führungen und Besuche außerhalb der Öffnungszeiten sind nach Vereinbarung möglich. Die 54-seitige Broschüre kann im Kreisarchiv abgeholt, zugeschickt oder als Download unter www.kreis-guetersloh.de/archiv heruntergeladen werden.

Kontakt: Kreisarchiv Gütersloh, Moltkestraße 47, 33330 Gütersloh, E-Mail archiv@kreis-guetersloh.de, Telefon 05241/85-2003.

Quelle: Kreis Gütersloh - hier Original öffnen (www.kreis-guetersloh.de)

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