20. November 2025 / Stadt Gütersloh

Brücken bauen zwischen Deutschen

Ira Peters Lesung in der Volkshochschule eröffnete einen neuen Blick auf sogenannte Russlanddeutsche.

von Stadt Gütersloh

Warum findet eine Lesung zu Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen im Rahmen eines Projekts zur Gesundheitskompetenz statt? Weil die Beschäftigung mit generationenübergreifenden Traumata, Resilienz und Selbstfürsorge zum Kern der Auseinandersetzung mit dieser Gruppe gehört. Das wurde bei der Veranstaltung mit der Autorin Ira Peter kürzlich in der Volkshochschule (VHS) Gütersloh mehr als deutlich.

Das Buch „Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen“ erschien im März und ist nun bereits in der 3. Auflage. Offensichtlich hat Ira Peter, die zuvor bereits im Podcast „Steppenkinder“ über das Thema aufklärte, einen Nerv getroffen. Und so zog die Lesung auch in Gütersloh ein großes Publikum an: Fast 100 Menschen lauschten in der Aula an der Hohenzollernstraße dem Gespräch von Peter und der stellvertretenden VHS-Leitung Mariella Gronenthal.

Neben der Geschichte der deutschen Minderheit im Zarenreich, unter Stalin und in den Auswanderungswellen der 1990er Jahre ging es auch um ihre Traumata und Prägungen bis heute. Ira Peter las aus ihrem bewegenden Sachbuch vor, ordnete ein und ergänzte durch persönliche Erfahrungen und eine große Menge Fachwissen. So erläuterte sie nicht nur, was „Russlanddeutsche“ eigentlich sind, sondern zeigte auch auf, dass es sich bei der gängigen Bezeichnung um einen von den Nazis geprägten Begriff handelt, den man besser durch „Deutsche aus dem postsowjetischen Raum“ ersetzen sollte. Denn für die Nationalsozialisten waren die Deutschen in den sowjetischen Republiken von der Ukraine bis weit nach Zentralasien hinein ganz klar Deutsche „zweiter Klasse“.

Die einfühlsame Moderation gab darüber hinaus Raum für die sehr persönliche Familiengeschichte der Autorin, und die offenherzigen Antworten bestärkten die Authentizität des Buchs. Denn das „große Schweigen“ über die Leidensgeschichte der Menschen, die unter Stalin als Minderheit verfolgt und zum Teil mehrfach deportiert wurden, prägt die Familien bis heute.

Im Rahmen der Publikumsfragen stellte Ira Peter klar, dass der Anteil von AfD-Wählenden unter Russlanddeutschen nicht höher liegt als der bundesdeutsche Durchschnitt. Sie plädierte dafür, dass alle demokratischen Parteien sich intensiv mit den spezifischen Sorgen und Herausforderungen der 2,4 Millionen Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler in Deutschland beschäftigen sollten, ohne sich dem Vorurteil hinzugeben, dass man diese längst sämtlich an die politischen Ränder verloren habe. Sicherlich hat diese besondere Lesung dazu beigetragen, dass auch zwischen Deutschen aus Gütersloh und Deutschen mit Zuwanderungserfahrung aus dem postsowjetischen Raum neue Brücken gebaut werden konnten.

Quelle: Stadt Gütersloh - hier Original öffnen (www.guetersloh.de)


Bildnachweis: © siehe Bildnachweisübersicht unter https://www.guetersloh.de/de/bildnachweise.php

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Happe Gruppe eröffnet neue Fliesenfactory in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Neue Ausstellung ab 30.04. in Gütersloh: Fliesenfactory der Happe Gruppe mit rund 300 qm Fläche, Aktionen und Eröffnung ab 10 Uhr.

weiterlesen...
Save the Date: Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...
Leseförderprojekt „Lies mit“ erreicht 20 Schulen im Kreis Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Bürgerstiftung unterstützt mit 30 000 Euro Projekt vom Zentrum für Bildung und Chancen

weiterlesen...

Neueste Artikel

Glutenfrei leben – worauf Zöliakie-Betroffene achten müssen
Allgemeines

Strikt glutenfrei essen – das ist für Zöliakie-Betroffene unerlässlich. Was hinter der Erkrankung steckt, wie Symptome aussehen und was beim Umgang mit Lebensmitteln zu beachten ist.

weiterlesen...
Weitere Untersuchungen an totem Wal vor Dänemark geplant
Allgemeines

Vor der Küste der dänischen Insel Anholt treibt ein toter Wal im Meer. Ist es das mit großem Aufwand in die Nordsee verfrachtete Tier? Weitere Untersuchungen sollen Klarheit bringen.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

 Wenn es im Botanischen Garten summt
Stadt Gütersloh

Neue Wildbienennisthilfe macht Artenschutz sichtbar – Gemeinschaftsprojekt von GNU, Umweltstiftung und Stadt...

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner