„Der Volkstrauertag ist ein Tag des Gedenkens, aber auch der Ermutigung. Er erinnert uns daran, dass Frieden kein Zustand ist, sondern eine Aufgabe…für Menschlichkeit, für Freiheit, für Frieden.“ Vor den Gräbern auf dem Friedhof Unter den Ulmen rief Bürgermeister Matthias Trepper am Sonntag (16. November) in Erinnerung, dass 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Gewalt und Unterdrückung nicht überwunden sind.
Bei der zentralen Veranstaltung zum Volkstrauertag 2025 ging der Bürgermeister auch auf die gegenwärtige Weltlage ein: „Gerade in diesen Zeiten spüren wir wieder, wie zerbrechlich Frieden ist.“ Das Gedenken am Volkstrauertag sei keine pflichtgemäße Rückschau. „Ein solches Gedenken wie heute erinnert uns daran, wie wertvoll das Miteinander ist…Freiheit und Demokratie gedeihen nur dort, wo Menschen sich nicht gegeneinander abschotten, sondern einander zugewandt bleiben – im Gespräch, im Respekt, im Vertrauen.“
Rund 100 Menschen hatten sich an der Kriegsgräberstätte auf dem Friedhof eingefunden, darunter traditionsgemäß auch Abordnungen von Gütersloher Vereinen. Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eröffnete Prof. Dr. Rolf Wischnath, Vorsitzender der Ortsgruppe die Gedenkveranstaltung, die musikalisch vom Symphonischen Blasorchester der Feuerwehr Gütersloh umrahmt wurde. Wischnath erinnerte an die Menschen, die allein in Gütersloh in den beiden Weltkriegen umkamen: Insgesamt habe das heimische Standesamt für den Ersten Weltkrieg 604 für den Zweiten Weltkrieg 1.199 Kriegssterbefälle registriert, weitere 2.255 Männer und Frauen gälten noch immer als vermisst. Die Zahl der Verfolgten, Verwundeten und der an Kriegsfolgen dauerhaft Erkrankten sei nicht bekannt. Gütersloh sei nach Bielefeld und Paderborn die am stärksten zerstörte Stadt in Ostwestfalen gewesen. Jedes der Kreuze auf dem Ehrenfriedhof stehe für ein zu früh erloschenes Leben – aus Gütersloh, aber auch aus anderen Ländern, Soldaten, Frauen, Kinder – jedes einzelne Schicksal stehe für sich. Auch Professor Wischnath schlug die Brücke in die Gegenwart, verwies auf Kriege und Gewalt in Ukraine, Gaza und dem Sudan. Im Gebet appellierte der evangelische Theologe: „Gib uns den Mut, für die einzustehen, die in Bedrängnis sind.“
Drei Kränze liegen nun als sichtbares Zeichen des Gedenkens auf dem Friedhof neben der St. Pankratiuskirche – niedergelegt von einer Abordnung der Stadt mit Bürgermeister Trepper und den beiden neuen stellvertretenden Bürgermeistern Wiebke Heine und Markus Kottmann, des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bezirksregierung mit Vertretern der Bundeswehr im Namen der Landesregierung. Leonhard Cohens Song „Halleluja“ setzte den musikalischen Schlusspunkt des Gedenkens, in das der Bürgermeister einen Wunsch für die Zukunft eingeschlossen hatte: „Unsere Kinder und Enkel sollen in einer Welt aufwachsen, in der Konflikte mit Worten gelöst werden, nicht mit Waffen.“
Quelle: Stadt Gütersloh - hier Original öffnen (www.guetersloh.de)
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