30. Januar 2026 / Wissenswertes

Studie warnt: NRW fehlen jedes Jahr fast 18.000 Sozialwohnungen

Azubis und Rentner besonders betroffen

Veröffentlicht am 30. Januar 2026 um 05:55 Uhr von SD

Bezahlbarer Wohnraum wird in Nordrhein-Westfalen immer knapper. Kreis Gütersloh/Bielefeld. Besonders junge und ältere Menschen geraten zunehmend unter Druck. Das zeigt der aktuelle Soziale Wohn-Monitor des Pestel-Instituts, den die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) mit in Auftrag gegeben hat.

Vor allem im Kreis Gütersloh spitzt sich die Lage zu. Rund 7.170 Auszubildende leben dort noch bei ihren Eltern – häufig nicht freiwillig. Der Grund: steigende Mieten und fehlende günstige Wohnungen. „Es ist tragisch, wenn ein Ausbildungsvertrag nicht zustande kommt, weil das Wohnen zu teuer ist“, sagt Sabine Katzsche-Döring, Bezirksvorsitzende der IG BAU Ostwestfalen-Lippe. Immer häufiger scheitern Ausbildungen daran, dass Jugendliche weder eine Wohnung noch ein WG-Zimmer in der Nähe ihres Ausbildungsbetriebs bezahlen können. Das sei nicht nur ein soziales Problem, sondern gefährde auch die regionale Wirtschaft.

Mehr Azubi- und Studierendenwohnungen gefordert

Die IG BAU fordert deshalb gezielte Förderprogramme für den Neubau von Azubi- und Studierendenwohnungen, insbesondere im Umfeld von Ausbildungszentren und Hochschulen. Auch steuerliche Anreize für Betriebe, die Wohnraum für ihre Auszubildenden schaffen, seien sinnvoll.

Wohnarmut im Alter droht

Neben jungen Menschen geraten auch ältere Generationen zunehmend unter Druck. Im Kreis Gütersloh werden bis 2035 rund 47.000 Baby-Boomer in Rente gehen. Viele von ihnen müssen mit niedrigen Renten auskommen. „Wenn die Mieten weiter steigen, werden sich viele ihre bisherige Wohnung im Alter nicht mehr leisten können – sie wohnen sich regelrecht arm“, warnt Katzsche-Döring.

17.900 neue Sozialwohnungen pro Jahr nötig

Um den Wohnungsmangel zu bekämpfen, fordert die IG BAU einen massiven Ausbau des sozialen Wohnungsbaus. Laut Studie müssten in Nordrhein-Westfalen jährlich rund 17.900 neue Sozialwohnungen entstehen. Bis 2035 wären damit landesweit 454.900 Sozialwohnungen nötig – fast doppelt so viele wie derzeit vorhanden.

Fördergelder, niedrigere Baukosten und mehr Transparenz

Damit dieses Ziel erreicht werden kann, seien verlässliche Fördergelder von Bund und Land notwendig. Diese müssten bereits zum Baubeginn vollständig zur Verfügung stehen. Zudem könnten niedrigere Baukosten durch vereinfachte Baustandards wie das sogenannte „Erleichterte Bauen“ helfen, schneller und günstiger Wohnraum zu schaffen – bei weiterhin guter Qualität.

Ein weiterer Punkt sei Transparenz: Das Land Nordrhein-Westfalen solle eine öffentliche Statistik führen, die monatlich ausweist, wo und wie viele Sozialwohnungen neu gebaut werden. Ohne einen konsequenten Ausbau des sozialen Wohnungsbaus drohen weiter steigende Mieten – mit gravierenden Folgen für junge Menschen, Rentner und den Arbeitsmarkt.

©Foto: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.

weiterlesen...
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.

weiterlesen...
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Gefährlicher Kurs: Länder holzen viel zu viel Regenwald ab
Allgemeines

Bis 2030 wollten mehr als 100 Staaten die großflächige Abholzung stoppen. Trotz eines Rückgangs im vergangenen Jahr ist der Abstand zum Ziel groß. Eine Region entwickelt sich besonders kritisch.

weiterlesen...
Eurojackpot: 120 Millionen Euro gehen nach NRW
Allgemeines

Um 120 Millionen Euro ging es bei der Lotterie Eurojackpot - die größtmögliche Gewinnsumme für Lotteriespieler in Deutschland. Tatsächlich wurde der richtige Tipp in Deutschland abgegeben.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Wusstest du, dass Tauwetter oft rutschiger ist als frischer Schnee?
Wissenswertes

Warum sich der Winter in Ostwestfalen gerade so merkwürdig anfühlt

weiterlesen...
Wintertest für E-Autos: Was die Batterie bei Frost wirklich kann
Wissenswertes

Zwischen Reichweitenangst und Realität: So winterfest sind E-Autos wirklich

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner