20. Januar 2023 / Allgemeines

Mafia in Italien: Weitere Verstecke von Boss gefunden

Italiens meistgesuchter Mafia-Boss sitzt seit Montag in Haft. In den Tagen danach finden die Ermittler mehrere Verstecke des Sizilianers. In einem Unterschlupf stoßen sie auch auf ein kurioses Plakat.

Die italienische Polizei und die Staatsanwaltschaft von Palermo haben weitere Verstecke des Cosa-Nostra-Kriminellen gefunden, in denen sich Wertgegenstände wie Schmuck und teure Klamotten b...
Veröffentlicht am 20. Januar 2023 um 15:14 Uhr von dpa

Nach der Festnahme des Mafiabosses Matteo Messina Denaro haben die italienischen Ermittler weitere Verstecke des Cosa-Nostra-Kriminellen gefunden. Die Polizei entdeckte in dieser Woche bei ihrer Suche in dem Ort Campobello di Mazara neben der Wohnung, in der der 60-Jährige bis zur Verhaftung gelebt haben soll, eine weitere Wohnung sowie einen geheimen Raum in einem dritten Gebäude.

In den Räumlichkeiten fanden die Fahnder unter anderem Wertgegenstände wie Schmuck und teure Klamotten. In einer Wohnung hing Medienberichten vom Freitag zufolge ein Poster des von Hollywood-Schauspieler Marlon Brando verkörperten Mafia-Bosses Vito Corleone aus dem Kinofilm «Der Pate».

Messina Denaro war seit 1993 auf der Flucht und der meistgesuchte Mafioso des Landes. Er wurde wegen dutzendfachen Mordes - etwa an den Mafia-Jägern Giovanni Falcone und Paolo Borsellino - bereits zu lebenslanger Haft verurteilt. Am vorigen Montag wurde er verhaftet, als er sich unter falschem Namen in einer Krebsklinik in Palermo behandeln lassen wollte. Viele italienische Politiker feierten die Festnahme als historischen Erfolg im Kampf gegen die Mafia.

Nichte als Anwältin

Inzwischen ist Messina Denaro im Hochsicherheitsgefängnis der Stadt L'Aquila in den Abruzzen, das für ehemalige Mafiosi und Schwerverbrecher besonders harte Haftbedingungen vorsieht. In der Anstalt setzt der Sizilianer seine Chemotherapie wegen eines Tumors im Darm fort. Als Anwältin engagierte Messina Denaro seine Nichte Lorenza Guttadauro, deren Großvater auch schon ein Mafiaboss war.

Die Ermittler hoffen, dass Messina Denaro kooperiert oder sich gar als Kronzeuge anbietet, um der sizilianischen Mafia weitere Schläge zu versetzen. Im Gegenzug könnten ihm als Krebspatienten erleichterte Haftbedingungen gewährt werden. Allerdings gebe es bislang keine Anzeichen für eine Zusammenarbeit, wie Medien berichteten.

Indes bleibt auch jener Mann in Untersuchungshaft, der Messina Denaro am Montag in das Krankenhaus von Palermo gefahren hat und der bislang behauptet, dass er die Identität des Mafia-Bosses nicht gekannt habe. Wie die Polizei laut Medienberichten allerdings herausfand, wohnte er in Campobello di Mazara auf Sizilien gleich neben jenem Gebäude, in dem eines der Verstecke von Messina Denaro gefunden wurde.

Unklar war zunächst, ob Mafia-Helfer aus jenen geheimen Räumen vor dem Eintreffen der Ermittler wichtige Dokumente entfernt haben könnten. «Das können wir noch nicht einschätzen», sagte Pasquale Angelosanto von der Spezialeinheit der Carabinieri. «Ich hoffe aber, falls jemand da war, dass er dann vielleicht Spuren hinterlassen hat.»


Bildnachweis: © Lapresse/LaPresse via ZUMA Press/dpa
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