12. August 2022 / In Gütersloh entdeckt...

„Güths Mariechen“ eingehüllt in fast 7000 Holzklötzchen

Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich

von VS

Der Rietberger Künstler Wilfried Koch hat im Rahmen der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ die Skulptur „Güths Mariechen“ am Kolbeplatz in knapp 7000 Holzklötzchen eingehüllt. Die Aktion soll auf die Kunst im öffentlichen Raum aufmerksam machen.

Pressemitteilung der Stadt Gütersloh:

Plötzlich werden sie wieder erzählt, die alten Geschichten über Güterslohs berühmteste Marktfrau – Maria Güth (1874 – 1952). Die im Kontakt mit den Kunden unverblümt und mit großer Klappe loslegte, für markige Sprüche gut war. Ein „Original“, wie man so sagt. Der Rietberger Künstler Wilfried Koch hat „Güths Mariechen“ einst in Bronze gießen lassen, und das Modehaus Klingenthal sorgte vor gut 30 Jahren dafür, dass das Denkmal in der zweiten Reihe des Kolbeplatzes aufgestellt werden konnte. »Das ist die Mutter meiner Mutter«, ruft Christel Kabitzki spontan im Vorbeigehen aus und wirft gleich eine nicht druckfähige Anekdote hinterher. »Das war eine ganz Schlimme, hat mein Schwiegervater immer gesagt«, ergänzt eine andere ältere Passantin, die stehengeblieben ist, um die Verwandlung der Skulptur zu verfolgen, die gerade im Gange ist: Aus fast 7000 kleinen, hellen Buchenholzklötzchen baut Garvin Dickhof, Designer und Kulturpädagoge, „Güths Mariechen“ ein neues „Kleid“.

Die Hülle aus Klötzchen, die Dickhof, den Formen der Skulptur folgend, rundherum aufschichtet, erinnert an einen Bienenkorb oder Termitenhügel, beinahe auch an ein neues Stück Architektur von Frank Gehry oder Antoni Gaudi. Fünf Stunden dauert es, bis Dickhof sein Werk vollendet hat, das er „DisCover“ nennt. Für die Aktion erntet der Designer aus Viersen manches Kopfschütteln, aber noch öfter zustimmendes Lächeln in den Gesichtern der vorbeiflanierenden Stadtbesucher, die von einem roten Teppich zum Kunstwerk hingeführt werden. Hier ist der Name Programm, denn die Aktion findet im Rahmen der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ des Fachbereichs Kultur der Stadt Gütersloh statt, gefördert vom Kultursekretariat NRW Gütersloh. 

»Es könnte eine Erinnerung an die Ukrainer sein, die in diesen Wochen Mühe haben, ihre öffentliche Kunst mit Sandsäcken oder Betonmänteln vor Raketeneinschlägen zu schützen«, kommentiert ein junger Passant mit Hund und grünen Lackschuhen, der dem Künstler einen Espresso vorbeibringt. Garvin Dickhofs Aktion löst ganz unterschiedliche Assoziationen aus. Ihr Ziel hat sie in jedem Fall erreicht: die Existenz der Skulpturen im öffentlichen Raum wieder einmal in den Blick zu rücken. Denn das Denkmal auf dem Kolbeplatz teilt das Schicksal vieler öffentlicher Kunstwerke: Sie werden auf Dauer eins mit ihrem Hintergrund, verschwinden förmlich, werden kaum noch wahrgenommen. Mit seinem Eingriff in den optischen Raum hebt Garvin Dickhof „Güths Mariechen“ zurück ins Bewusstsein, wen auch nur für ein paar Stunden. Dauerhafter hingegen ist seine Arbeit im Gütersloher Riegerpark angelegt. Dort wurde im vorigen Jahr die Bronzeskulptur „Aufbruch“ des Künstlers Heiner Ameling aus Verl gestohlen, die zuvor auch einige Jahre vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin stand. Dickhofs Verpackung des verbliebenen Betonsockels mit verklebten Hölzchen erinnert einerseits an das verschwundene Werk, empfindet aber auch seine Form im Raum nach. Und kann heute wieder von Menschen imaginiert werden. 

 

Nun liegen noch ein paar überzählige Kartons mit kleinen Holzbausteinen im Keller des städtischen Fachbereichs Kultur. Eine sinnvolle Verwendung ist vorgesehen: »Wir wollen sie Kindern in der Stadt für kreative Spielerlebnisse zur Verfügung stellen«, so Projektbetreuer Felix Tiemann. Dazu werde es in den nächsten Tagen einen Aufruf an die Kitas in Gütersloh geben.
 
Bild: Auf dem Kolbeplatz gab Garvin Dickhof der seit mehr als drei Jahrzehnten dort platzierten Bronzeskulptur „Güths Mariechen“ mit fast 7000 Buchenholzklötzchen ein völlig neues Erscheinungsbild. Die Aktion fand im Rahmen der Reihe „Stadtbesetzung: Kunst am Roten Teppich“ des städtischen Fachbereichs Kultur statt.

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