1. September 2022 / Allgemeines

Prozess gegen Ex-MDR-Manager Foht könnte verkürzt werden

Jahrelang bringt der Ex-Unterhaltungschef Udo Foht große deutsche Stars vor die Kamera - und baute so das Schlager-Image des MDR auf. Doch war dabei alles rechtens?

Der frühere MDR-Unterhaltungschef Udo Foht steht vor Prozessbeginn im Landgericht Leipzig.
von Andr

Nun könnte alles ganz schnell gehen: Der Betrugsprozess gegen den früheren Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht (71), ist womöglich schneller zu Ende als geplant. Das Landgericht Leipzig regte am Donnerstag gleich nach der Verlesung der Anklage eine Verständigung an. Bei einem «glaubhaften Geständnis» könnte eine Haftstrafe von höchstens einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, in Aussicht gestellt werden, sagte der Vorsitzende Richter Michael Dahms.

Die Staatsanwaltschaft signalisierte Zustimmung, die Anwälte von Foht wollen sich am Freitag dazu äußern. Im Kern werden dem Fernsehmanager Geldschiebereien vorgeworfen.

Der einst mächtige MDR-Unterhaltungschef ist am Donnerstag verglichen mit alten Fotos kaum wiederzuerkennen. Der Mann im taubenblauen Anzug trägt seine grauen Haare lang und zu einem Zopf gebunden. Eine FFP2-Maske verdeckt große Teile seines Gesichts. Fast das Einzige, was er im Gerichtssaal leise sagt, ist, dass er den Richter zwischen Corona-Schutzscheiben kaum verstehen könne - und dass Kopfhörer «vielleicht hilfreich» wären.

Vorwurf der Untreue und Bestechlichkeit

Die Staatsanwaltschaft wirft Foht Betrug sowie Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vor. Immer wieder soll Foht Musikmanager aus der Schlagerbranche um fünfstellige Summen gebeten haben. Das Geld werde für neue Produktionen benötigt. Mehrfach stellte Foht demnach eine Rückzahlung über den MDR in Aussicht, die laut Staatsanwaltschaft von dem Sender aber nie geplant war. 13 Fälle des Betrugs sollen es gewesen sein, die in Verbindung mit Untreue und Bestechlichkeit standen, dazu fünf Fälle der Steuerhinterziehung.

Das alles liegt schon lange zurück. 2011 kam der Skandal ans Licht. Der MDR hatte Foht daraufhin gekündigt. Er hatte sich damals nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Ein Arbeitsprozess endete mit einem Vergleich. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für Foht die Unschuldsvermutung.

Der TV-Mann, der seinen Beruf mit «Diplom-Journalist» angibt, hatte das Schlagergeschäft beim MDR mächtig vorangetrieben. Damit verpasste er dem öffentlich-rechtlichen Sender in Ostdeutschland ein markantes Unterhaltungsprofil. Er öffnete aufstrebenden Schlagerstars Türen, ermöglichte TV-Produktionen, förderte Schlagerkarrieren wie die von Florian Silbereisen.

Wird das Verfahren «verschlankt»?

Eigentlich hätte der Prozess schon 2018 beginnen sollen, war aber wegen Krankheit abgesagt worden. Am Donnerstag erklärte Richter Dahms, dass die Kammer an einer «Verschlankung des Verfahrens» interessiert sei - auch im Hinblick auf die Erkrankung des Angeklagten.

Falls er ein Geständnis ablege, könne seine Strafe sich zwischen einem und einem Jahr und neun Monaten bewegen. Drei Monate davon sollen wegen der langen Verfahrensdauer als vollstreckt angesehen werden. Zudem sollen Vorwürfe der Steuerhinterziehung und Untreue als erledigt angesehen werden. Diese sind laut Strafkammer ohnehin «wackelig» und bedürften einer intensiven Beweisführung.

Eigentlich hatte das Gericht bis Februar nächsten Jahres Prozesstage geplant. Zahlreiche Manager aus der Schlagerbranche sollten befragt werden. Die für Freitag vorgesehenen Aussagen von drei Zeugen wurden jedoch gestrichen. Zeit für den Angeklagten oder seine Anwälte, sich zu äußern.


Bildnachweis: © Jan Woitas/dpa
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