18. Dezember 2017 / Allgemeines

„Kinder können mehr, als man ihnen zutraut“

Sozialpädagoge gibt Tipps für Beteiligung der Kinder im erzieherischen Alltag

„Kinder können mehr, als man ihnen zutraut“

Sozialpädagoge gibt Tipps für Beteiligung der Kinder im erzieherischen Alltag

Mehr Partizipations- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder in Kindertageseinrichtungen – das stand im Fokus des Fachtags des Fachbereichs Jugend und Bildung der Stadt Gütersloh. Auf Einladung von Andrea Körber, Abteilungsleiterin der Tagesbetreuung, und Bettina Kirchner, Fachberaterin der städtischen Kindertageseinrichtungen, kamen etwa 250 Erzieherinnen und Erzieher kürzlich im kleinen Saal der Stadthalle Gütersloh zusammen, um sich gemeinsam fort- und weiterzubilden. Den Input gab der Vortrag des Diplom-Sozialpädagogen Rüdiger Hansen vom Institut für Partizipation und Bildung in Kiel, der didaktische Konzepte für mehr Beteiligungsmöglichkeiten der Kinder in Kindertageseinrichtungen vorstellte.

„Kinder sind aktive Mitglieder der Gesellschaft und nicht nur Schutzbefohlene“, betont Andrea Körber den Stellenwert der Kinder. Als mündige Akteure ihrer eigenen Entwicklungen haben Kinder eigene Rechte, die auch von den Erwachsenen gewahrt und geachtet werden müssen. „Eines dieser Rechte ist der Anspruch der Kinder auf Partizipation und Beschwerdeverfahren“ erläutert Rüdiger Hansen, Leiter des Projekts „Die Kinderstube der Demokratie“. Dieser Anspruch ist mittlerweile gesetzlich geregelt und eine essentielle Voraussetzung für die Erlaubnis des Betriebs einer Kindertageseinrichtung. So fordert der seit 2012 aufgenommene § 45 des Sozialgesetzbuchs VIII „geeignete Verfahren der Beteiligung sowie der Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen Angelegenheiten“ und setzt somit, laut Hansen, ein Meilenstein für die Kinderrechte und deren Schutz.

Denn den Erziehern komme in Kindertageseinrichtungen eine ungeheure Macht zu. Sie können entscheiden, was gemacht wird, verfügen über sämtliche Ressourcen, haben eine Deutungshoheit über Gut und Böse und können Kinder leicht für ihre Interessen mobilisieren, so Hansen. „Daher verlangt der Kinderschutz eine demokratische Begrenzung der Macht der Erwachsenen“, begründet der Sozialpädagoge. Denn Macht könne und wurde in der Vergangenheit nicht immer konstruktiv, sondern auch destruktiv eingesetzt. Und dennoch, die Kinder entsprechend ihres Entwicklungsstandes in allen sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen, stößt im Alltag der Erzieher oft auf Widersprüche. Dessen ist sich auch Hansen bewusst und griff in seinem Vortrag daher vorherrschende Vorurteile auf, um sie zu entkräfteten: „Kinder können mehr, als man ihnen zutraut.“

Mit konkreten Konzepten stellte der Sozialpädagoge in seinem Vortrag Möglichkeiten der Mitbestimmung vor, die auch im Alltag der Kindertageseinrichtungen angewandt und umgesetzt werden können. „Partizipation ist der Schlüssel zu Bildung und Demokratie“, betont Hansen. Da eine vollständige Demokratie in einer Kindertageseinrichtung jedoch nicht möglich sein kann, ist es wichtig, dass Erzieher freiwillig gewisse Rechte an die Kinder abtreten und die Interaktion respektvoll gestalten. „Nur so können Demokratie und Pädagogik in Einklang gebracht werden“, verdeutlicht der Sozialpädagoge.

 

Bild: (v.l.) Andrea Körber, Rüdiger Hansen, Bettina Kirchner und etwa 250 Erzieherinnen und Erzieher freuen sich auf einen spannenden und lehrreichen Fachnachtag.

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