17. September 2021 / Hilfe und Beratung

Gleichstellung digital: Grenzen überschreiten - Horizonte öffnen

26. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands

von VS

Zu der 26. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands trafen sich knapp 400 Frauen aus ganz Deutschland online. Dabei stand in Vorträgen und Workshops verschiedene Themen, wie zum Beispiel Gewalt gegen Frauen im Mittelpunkt.

Pressemitteilung der Stadt Gütersloh:

Rund 400 Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte aus ganz Deutschland haben sich virtuell in Foren, Vorträge und Workshops zur 26. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands zugeschaltet, um sich über Digitalisierung unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit auszutauschen. Mit dabei war Inge Trame, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh und eine der Bundessprecherinnen. Mit der Rede der Sprecherinnen und der Vorstellung der Flensburger Erklärung verabschiedete sie sich nach zwei Wahlperioden turnusgemäß in dieser Funktion.
 
Im Mittelpunkt der Konferenz standen außerdem als Themen die Arbeitssituation in der Pflegebranche, Gewalt gegen Frauen, die Notwendigkeit kostenfreier Verhütungsmittel sowie die Abschaffung der Paragrafen 218 (Schwangerschaftsabbruch) und 219a (Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche) im Strafgesetzbuch. »Unser Ziel ist es, alle Menschen beim digitalen Wandel mitzunehmen«, so Bundesfrauenministerin Christine Lambrecht. »Wie wir die Digitalisierung so gestalten, dass Frauen und Männer gleiche Verwirklichungschancen haben, steht im Mittelpunkt des dritten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung. Der Bericht gibt uns wertvolle Impulse für unsere weitere Politik.« Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Inge Trame ergänzt: »Gleichstellung muss die Wechselwirkungen zwischen Geschlechterverhältnis und Digitalisierung berücksichtigen. Damit kann ein Beitrag zum Abbau von strukturellen Ungleichheiten, Geschlechtsstereotypen und Diskriminierungen geleistet werden.«
 
Der Handlungsbedarf der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ist groß, wie aktuelle Zahlen zeigen, die bei der Konferenz präsentiert wurden:

  • Der Frauenanteil in der Digital- und Informatikbranche liegt bei lediglich 16 Prozent. Im Topmanagement sind Frauen in der Digitalbranche eine Seltenheit. Der Genderleadership Gap liegt hier bei 5:1.
  • Homeoffice und Care: Frauen und Männer weiten im Homeoffice ihre unbezahlte Sorgearbeit aus, Frauen allerdings stärker als Männer.
  • Der Teilzeitanteil von Frauen in IT-Berufen liegt bei 19 Prozent, bei den Männern bei 5 Prozent (Durchschnitt bei anderen Berufen: Frauen bei 31 Prozent, Männer bei 8 Prozent).
  • Nur ein Drittel aller Studienanfänger und -Anfängerinnen in MINT-Fächern sind Frauen. Seit 20 Jahren hat sich der Frauenanteil in der Informatik nur um 5 Prozent auf 22 Prozent gesteigert.
  • 70 Prozent aller Frauen im Internet haben bereits Bedrohungen und Beleidigungen erlebt. Digitale Gewalt hat fatale Folgen. 19 Prozent aller Betroffenen ziehen sich nach dem Erlebten aus dem Diskurs zurück.

 
Die Ergebnisse der Bundeskonferenz: 
Nur eine konsequente Gleichstellungspolitik auf allen staatlichen Ebenen kann Abhilfe schaffen:
Die Bundesregierung wird aufgefordert, die strukturelle Benachteiligung von Frauen abzubauen. Neue Gesetze zu Homeoffice und mobilem Arbeiten müssen die Diskriminierungseffekte auf Frauen systematisch ausschließen. Frauen in MINT-Berufen müssen gefördert, Zugänge zu Gründerinnenkapital erleichtert und Standards für die größtmögliche Selbstbestimmung über den wechselnden Arbeitsort festgelegt werden.
 
Pflegekampagne – #wenn, dann jetzt
Mit der Kampagne www.pflegerebellion.de solidarisieren sich die Frauenbeauftragten mit Pflegekräften und fordern eine deutliche Aufwertung der Pflegeberufe. Die Digitalisierung muss für eine veränderte Bewertung und Ausgestaltung von Pflegeberufen genutzt werden, zum Beispiel durch die Umsetzung eines angemessenen gesetzlichen Mindestlohns und eine Tarifbindung in der Pflegebranche sowie verbesserte Qualifizierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.
 
Mehr Schutz vor geschlechtsbezogenem Hass im Netz
Im digitalen Raum besteht ein hohes Gefährdungspotenzial durch geschlechtsbezogene Gewalt und sexualisierte Belästigung. Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten fordern eine systematische Berücksichtigung des Themas digitale Gewalt in Digitalisierungsprozessen, mehr Schutz vor geschlechtsbezogener Gewalt im Netz durch die Förderung und den Ausbau zivilgesellschaftlicher Initiativen und Projekte zu diesem Thema sowie den Aufbau von Kompetenzen und nachhaltigen Strukturen bei Polizei-, Strafverfolgungs- und Ordnungsbehörden sowie der Justiz.
 
Flensburger Erklärung
Mit der einstimmigen Verabschiedung der Flensburger Erklärung am 31. August 2021 stellten die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten fest: „Gleichstellungspolitik hat in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Bereichen Fortschritte erzielt. Dazu beigetragen hat die engagierte Arbeit der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und ihrer Netzwerkpartner. Der digitale Wandel kann nur gelingen, wenn er gleichstellungsorientiert gestaltet wird. Die Arbeits- und Unternehmenskultur in der Digitalwirtschaft muss sich verändern: hin zu mehr Vielfalt. Unsere digitalen Weichen sind auf Zukunft und Wandel gestellt.“
 
Zum Hintergrund:
Die Bundeskonferenz wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Ministerium für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung sowie der Stadt Flensburg gefördert. Weitere Informationen zur Konferenz: www.frauenbeauftragte.de
 
Bildunterzeile: 
Mit der Rede der Sprecherinnen und Vorstellung der Flensburger Erklärung verabschiedet sich Inge Trame als Bundessprecherin bei der 6. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands.

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