29. Juli 2021 / Hilfe und Beratung

Mahd macht Vielfalt

Auch „wilde Wiesen“ brauchen den Schnitt, um Pflanzenfülle zu entwickeln und zu erhalten

Kontrollierte Vielfalt: Dirk Buddenberg erläutert am Beispiel der Wiese am Rand des Wohngebiets Krullsbachaue das Mahdkonzept der Stadt. / ©Stadt Gütersloh
Veröffentlicht am 29. Juli 2021 um 10:30 Uhr von VS

Der Fachbereich Grünflächen bekommt häufig die Frage, ob die Mahd der wilden Wiesen wirklich notwendig ist. Dirk Buddenberg (Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen) erklärt, warum die Mahd die Artenvielfalt schützt:

Pressemitteilung der Stadt Gütersloh:

Dem einen zu viel, der anderen zu wenig: Wie oft soll man Wiesenflächen mähen, um Artenvielfalt zu schaffen und zu erhalten? Oder am besten überhaupt nicht? – Klare Antwort vom Fachmann: »Wiesen müssen gemäht werden, damit die Vielfalt erhalten bleibt,« sagt Dirk Buddenberg, Leiter des städtischen Fachbereichs Grünflächen. Die Mahd, die Aufnahme und die Entsorgung des Mähguts sichern die »so genannte Abmagerung« der Wiesenflächen, indem sie dafür sorgt, dass sich eine bunte Fülle von Pflanzen entfalten kann. Dort wo komplett auf das Mähen verzichtet wird, setzen sich einzelne Pflanzengruppen durch und verdrängen andere - im Fachdeutsch heißt das „Verbuschung“ - Vielfalt adé.
 
Buddenberg weist unter anderem explizit darauf hin, weil ihn und seine Kollegen immer wieder Nachfragen erreichen, warum man die „schönen wilden Wiesen“ nicht einfach wachsen lassen könne. Die Mahd mache doch immer wieder alles kaputt. Das Gegenteil ist der Fall, da kann der Gütersloher Grünflächen-Fachmann getrost auch auf die Kollegen in der Alpenregion verweisen, wo die teilweise als Weltnaturerbe eingestuften Wiesen ebenfalls bis zu dreimal jährlich gemäht werden. In Gütersloh ist die Fläche an der Siedlung Krullsbachaue in Isselhorst ein gelungenes Beispiel dafür, wie gut die „sanfte Pflege“ der Wiese tut: gemeine Schafgarbe, Echte Kamille, Wiesen-Flockenblume, wilde Möhre oder Wiesensalbei sorgen hier unter anderem für ein buntes Bild und einen abwechslungsreichen Speiseplan für Insekten. Insgesamt rund 150 Hektar extensive Rasen- und Wiesenblächen unterhält die Stadt auf diese Weise, dazu gehört auch „traditionelles“ Grün wie zwischen Dalke und der Siedlung „Auf dem Knüll“ oder neu angelegte wie im Neubaugebiet „Auf dem Stempel“.
 
Das ist aber auch das Ergebnis einer Entwicklung und eines Bewusstseinswandels. Seit 2019 hat der Fachbereich Grünflächen sein Mahdkonzept auf geeigneten innerstädtischen Wiesenflächen in Grünanlagen und im Verkehrsgrün auf ökologische Pflege umgestellt (insgesamt 15 000 Quadratmeter). Aber das ist nur ein Teil des Konzepts zur Schaffung »extensiver Wiesenflächen im öffentlichen Stadtgrün als Beitrag zur Artenvielfalt und Biodiversität«, das der Umweltausschuss seinerzeit beschlossen hat. Es sieht eine sukzessive Erweiterung dieser Flächen ebenso vor wie die Anpassung der Mähtechnik und die Schulung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, es setzt auf teilweise „Initialpflanzung“ von Wildstauden auf geeigneten Flächen und bei der Neuanlage von Wiesenflächen auf so genanntes „gebietsheimisches“ Saatgut. Vor allem aber gilt: die Flächen sollen sich durch natürliche Pflanzengesellschaften entwickeln, Prinzip: »Es soll wachsen, was an der jeweiligen Stelle gut wächst,« fasst Dirk Buddenberg zusammen.
 
Dazu gehört eben auch die Umstellung auf ein reduziertes Pflege- und Mähkonzept. Ein bis zweimal im Jahr, ist der hauptsächlich gesetzte Intervall. Dabei wird der Termin möglichst auf die Blühzeiten der Pflanzen und das Verhalten der Insekten abgestimmt, und – auch das gehört dazu – an einigen Stellen werden Teilbereiche als Rückzugsorte auch stehengelassen. Voraussichtlich im September steht die nächste Mahd in der Krullsbachaue an. Dann sind die Wiesenpflanzen weitestgehend abgeblüht, und die Insekten haben fleißig Vorsorge für die weitere bunte Vielfalt im nächsten Jahr betrieben.
 


Fleißige Mitarbeiterinnen: Bienen und andere Insekten finden in der Pflanzenvielfalt Nahrung und tragen wiederum zur Pflanzenfülle bei.
 


Natur und Wohnen nah beieinander: Das ist nicht nur im Wohngebiet Krullsbachaue Prinzip

Bilder: ©Stadt Gütersloh

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.

weiterlesen...
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Messerangriff im Seniorenheim: Verdächtiger saß im Rollstuhl
Allgemeines

Ein 72-jähriger Bewohner soll in einem Seniorenheim im Münsterland mehrere Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Eine starb. Die Ermittler versuchen, Antworten zu finden.

weiterlesen...
Berichte: 17 Tote bei Massenpanik in Indien
Allgemeines

Während des Hindu-Fests Durga Puja strömen viele Menschen zu einem Pavillon in Kolkata. Am Ausgang kommt es zum tödlichen Gedränge.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Tipper Pflege in Gütersloh – Tagespflege und Wohngruppen mit Herz
Hilfe und Beratung

Mehr als Pflege: persönliche Betreuung, familiäre Atmosphäre und ein verlässliches Team

weiterlesen...
Deine Ausbildung. Deine Zukunft: Wichtige Veranstaltung für Schüler im Kreis Gütersloh
Hilfe und Beratung

Das Reinhard-Mohn-Berufskollegs lädt am 8. November zu einem Infotag ein!

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner