Mutter Teresa ist für viele der Inbegriff von Nächstenliebe. Und auch wenn die von Papst Franziskus heiliggesprochene Friedensnobelpreisträgerin schon ein Viertel Jahrhundert tot ist, zieht sie weiter viele Besucher und Freiwillige in die indische Stadt Kolkata, die zu ihren Lebzeiten noch Kalkutta hieß. Hier gründete Mutter Teresa den katholischen Orden der «Missionarinnen der Nächstenliebe» sowie Häuser für arme, kranke und sterbende Menschen. «Engel der Armen» wurde sie genannt. Und ihrem Beispiel folgen Freiwillige bis heute. «Die wichtige Arbeit der Mutter geht genauso weiter wie früher», sagte Ordenssprecherin Sunita Kumar. «Und an ihrem Todestag werden die Schwestern um ihr Grab beten.» Mutter Teresa wurde 1910 in Skopje im heutigen Mazedonien geboren. Ihre Eltern tauften sie auf den Namen Agnes Gonxha Bojaxhiu. Mit 18 Jahren trat sie in den irischen Loreto-Orden ein und kam bald als Novizin nach Indien, wo sie zunächst an einer katholischen Schule unterrichtete. Sie nahm den Namen Teresa an, nach der französischen Heiligen Therese von Lisieux. Die Armut in Kolkata erschütterte Teresa und sie erlebte, was sie später als «Gottes zweiten Ruf» bezeichnete. Jesus wolle, dass sie ihm in die Slums folge, sagte sie. 1950 gründete sie ihren Orden. 1997 starb sie im Alter von 87 Jahren. Neben vielen Bewunderern hat die Katholikin aber auch Kritiker, die nach ihrem Tod nicht verstummten. Ein Kritikpunkt: Sie habe nicht selbstlos gehandelt und hauptsächlich versucht, die Armen zum Christentum zu bekehren. Dies sagte etwa der Chef der einflussreichen hindunationalistischen Gruppe Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), Mohan Bhagwat. Der Gruppe sind Menschen in dem vorwiegend hinduistischen Land ein Dorn im Auge, die Hindus konvertieren wollen. Die langjährige Ordenssprecherin von «Missionarinnen der Nächstenliebe», Sunita Kumar - selbst Hindu -, wies dies zurück: Von der Straße aufgenommene Kinder etwa seien demnach nur als Christen erzogen worden, wenn ihre Religion nicht bekannt gewesen sei. Ein anderer Kritikpunkt: Mutter Teresa habe Gelder von umstrittenen Persönlichkeiten akzeptiert, etwa dem früheren Diktator Haitis, Jean-Claude Duvalier, oder Charles Keating, der in den 80er Jahren in den USA in einen Finanzskandal involviert war. Zudem soll es in einigen Einrichtungen schlechte Pflege und üble Hygienezustände gegeben habe. Auf diese Kritik habe Mutter Teresa gesagt: «Es ist etwas Schönes, Arme zu sehen, die ihr Schicksal akzeptieren und es wie Christus erleiden. Die Welt gewinnt so viel von ihrem Leiden.» Auch äußerte sich Mutter Teresa traditionell sehr kritisch gegen Verhütung und Abtreibung - auch bei ihrer Dankesrede für den Friedensnobelpreis im Jahr 1979. Die einen halten Mutter Teresa für eine Heilige, andere für eine Heuchlerin. Und wiederum andere haben über die Jahre ihre Haltung geändert. So beispielsweise Anuradha Sen, die in Kolkata für eine Hilfsorganisation arbeitet. Sen sagte, ihr Vater habe Mutter Teresa einst Land geschenkt. Sie selbst habe ihr damals geschrieben, um ihren Segen zu erhalten und eine von ihrem Idol unterschriebene Postkarte bekommen. Inzwischen bewundert die 62-Jährige zwar nach wie vor die Arbeit von Mutter Teresa. Als Hindu frage sie sich aber, ob Mutter Teresa nicht vielleicht die Armut der Menschen ausgenutzt habe, um ihnen eine fremde Religion aufzudrängen. Auch denkt Sen, dass die Lobpreisung von Mutter Teresa ihre eigene Stadt schlecht mache und der Eindruck entstehe, dass nur sie den Armen in Kolkata geholfen habe. Trotz aller Kritik: Mutter Teresa hat weiterhin viele Bewunderer. In Zentren rund um die Welt arbeiteten mehrere Tausend mit ihr im Geist verbundene Schwestern, sagte die Ordenssprecherin. Und auch der Erzbischof von Kolkata, Thomas D’Souza, hob vor zwei Jahren das Vermächtnis von Mutter Teresa hervor: Während der Corona-Pandemie habe sie Menschen allen Glaubens inspiriert, sich weiter um Kranke, Arme und Hungrige zu kümmern.Kritik an Missionsarbeit
Der Blick auf Teresa hat sich verändert
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