5. Oktober 2023 / Allgemeines

49-Millionen-Euro-Coup - Ein Angeklagter will aussagen

Die Täter sind mit Schlüsseln ausgestattet. Im Tresorraum plündern sie 295 Schließfächer, entkommen mit Luxusuhren, Schmuck, Edelmetall. Fünf Männer stehen nun vor Gericht.

Ein Kronzeuge will nach dem Millionen-Euro-Coup aussagen.
Veröffentlicht am 5. Oktober 2023 um 14:45 Uhr von Anne Baum, Berlin

Ungestört knacken Einbrecher in einer Tresoranlage in Berlin-Charlottenburg 295 Schließfächer und entkommen mit einer Beute im Wert von insgesamt 49 Millionen Euro. Rund elf Monate nach dem Einbruch, den Männer aus dem Clan-Milieu vorbereitet haben sollen, stehen seit Donnerstag fünf Männer vor dem Landgericht Berlin. Der Prozess findet unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt, denn einer der Angeklagten soll nach seiner Festnahme gestanden haben. Er steht nun unter besonderem Schutz.

Allein und so weit wie möglich entfernt von den vier mutmaßlichen Komplizen saß der 52 Jahre alte damalige Geschäftsmann hinter Sicherheitsglas. Er war Geschäftsführer des Unternehmens, das den Tresorraum angemietet hatte. Wegen vermeintlicher Schulden bei zwei der Angeklagten aus vorangegangenen Geldwäschegeschäften soll sich der 52-Jährige an der Tat beteiligt haben. Im Prozess wegen Diebstahls im besonders schweren Fall und Brandstiftung gilt er nun als eine Art «Kronzeuge». Als einziger der Angeklagten will er aussagen.

Auf der anderen Seite des Saales vier Männer, die dem Clan-Milieu zugerechnet werden. Sie sind 42, 42, 26 und 28 Jahre alt. Drei von ihnen sollen die Tat geplant und im Hintergrund vorbereitet haben. Der weitere Angeklagte, der 28-Jährige, soll dann mit zunächst unbekannten Mittätern die Schließfächer geplündert haben.

Über das Vorgehen bei der Tat

Als die Einbrecher am 19. November vorigen Jahres vor der Tür der Tresoranlage an der Fasanenstraße standen, waren sie bestens ausgestattet: Der Geschäftsführer soll ihnen zuvor Transponder, Schlüssel und Zugangscodes ausgehändigt haben. Er habe zudem kurz zuvor den bisherigen Wachdienst für die Anlage gekündigt und durch einen Sicherheitsdienst der mutmaßlichen Komplizen ersetzt sowie die Alarmanlage außer Kraft gesetzt, so die Anklage.

Um 7.13 Uhr am Morgen begannen mehrere Täter laut Ermittlungen mit dem Aufhebeln von Schließfächern. Bilder einer Überwachungskamera belegen: Taschenweise schleppten sie aus der ehemaligen Privatbank Beute zu einem Transporter, brachten sie bis 19.34 Uhr in mehreren Fuhren weg vom Tatort. Um Spuren zu verwischen, hätten sie Papiere und Inventar der Schließfachanlage mit Benzin übergossen und angezündet, heißt es in der Anklage.

996 Uhren im Gesamtwert von mehr als 14 Millionen Euro sowie Bargeld, Schmuck, Edelmetall und Wertpapiere für rund 35 Millionen Euro wurden laut Anklage gestohlen. Die Beute sei bis heute verschwunden, sagte Staatsanwalt Alexander Kiworr am Rande der Verhandlung. Vier der Angeklagten rechne er zum Clan-Milieu. Gegen weitere elf namentlich bekannte Beschuldigte werde noch ermittelt.

Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.

Ermittlungen führen zu Razzien

Die Ermittlungen zu dem Einbruch führten im vergangenen Mai zu Razzien in Berlin und Baden-Württemberg. Nach damaligen Angaben wurden insgesamt 30 Wohnungen und Firmen durchsucht. Hintergrund waren zunächst unabhängig voneinander laufende Verfahren - in Berlin wegen des Einbruchs, in Karlsruhe wegen Geldwäsche. Es habe der Verdacht bestanden, dass die Beute aus dem Einbruch durch eine Scheinfirma in Baden-Württemberg habe «reingewaschen» werden sollen.

Zwei der Angeklagten wurden im Mai festgenommen, im Juni und Juli zwei weitere Angeklagte. Der Ex-Geschäftsführer hingegen ist frei und befindet sich Angaben zufolge im Zeugenschutzprogramm. Für den 6. November ist seine Aussage im Prozess geplant.


Bildnachweis: © Paul Zinken/dpa
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