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Wege aus gewaltgeprägten Beziehungen

Wege aus gewaltgeprägten Beziehungen

„Frei leben, ohne Gewalt!“:  Vom 21. bis 27. November wehen wieder die blauen Fahnen mit diesem Slogan vor dem Rathaus und im Stadtgebiet von Gütersloh. Damit beteiligt sich die Stadt Gütersloh an der weltweiten Fahnenaktion, die im Jahre 2001 von der gemeinnützigen Menschenrechtsorganisation Terre Des Femmes ins Leben gerufen wurde.
 
Am 25. November jährt sich der internationale Gedenktag “Nein zu Gewalt an Frauen“, der an die Folterung und Ermordung der Schwestern Mirabal im Jahr 1960 erinnert und seit 1999 zur weltweiten Ächtung und Beseitigung von Gewalt an Frauen aufruft. Beispiele für diese Gewalt sind häusliche Gewalt, Verbrechen im Namen der Ehre, Frauenhandel und Zwangsprostitution, Kriegsvergewaltigungen und weibliche Genitalverstümmelungen.
 
 „In unserer Stadt möchten wir wieder darauf aufmerksam machen, dass Frauen und Mädchen noch immer aufgrund ihres Geschlechtes körperliche, seelische und sexualisierte Gewalt erleben – unabhängig von ihrer sozialen oder geografischen Herkunft“, unterstützt Bürgermeister Henning Schulz diese Aktion.
 
Auch im Kreis Gütersloh sind Frauen und Mädchen von Gewalt betroffen: Für das Jahr 2017 wurden der Kreispolizei Gütersloh 470 Fälle von häuslicher Gewalt bekannt, die 273 Wohnungsverweisungen und Rückkehrverbote zur Folge hatten. Die Mitarbeiterinnen vom Frauenhaus erleben immer wieder, dass die Sehnsucht, als Erwachsene in einer harmonischen Familie zu leben, sich durch die Partnerwahl nicht immer erfüllt und dass sich nach der Geburt von Kindern in gewaltgeprägten Beziehungen das Risiko erhöht, den Gewaltkreislauf in die nächste Generation weiter zu tragen. Die körperliche und seelische Entwicklung von Kindern kann erheblich gefährdet sein, wenn sie Zeugen von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Eltern werden.
 
Birgit Altehoefer, Mitarbeiterin im Frauenhaus Gütersloh, berichtet, dass im vergangenen Jahr 108 Frauen und Kinder Schutz sowie Unterstützung im Frauenhaus Gütersloh gefunden haben und so ihren Weg in ein selbstbestimmtes Leben ohne Gewalt finden können. Durch die in der eigenen Kindheit erlebte Gewalt haben die Mütter oft kein tragfähiges Netz aus Familie und Freunden, denen sie sich anvertrauen könnten. Die Frauenberatungsstelle Gütersloh führte im selben Zeitraum insgesamt 1.204 Beratungsgespräche durch - davon 239 zu den Themen sexualisierte Gewalt und Stalking.
 
„Ein ausreichendes Beratungs- Hilfs- und Schutzangebot für die Opfer von häuslicher und sexueller Gewalt vor Ort ist unerlässlich und unbedingt zu fördern“, betont Bürgermeister Henning Schulz. „Oft haben Frauen, die in gewalttätigen Beziehungen leben, bereits als Mädchen verschiedene Formen von Gewalt erlebt, ohne einen Weg auf Hilfe zu sehen“, ergänzt Birgit Altehoefer. Die Auswirkungen von Gewalt sind vielfältig, psychische und soziale Probleme, Schul- und Ausbildungsabbrüche können die Folge sein. Inge Trame, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gütersloh, weist in diesem Zusammenhang auf die Folgekosten von Gewalt gegen Frauen hin, die laut dem dritten Gleichstellungsatlas der Bundesregierung bei jährlich 3,8 Milliarden Euro liegen.
 
BU:  Die blauen Fahnen mit dem Slogan „Frei leben, ohne Gewalt!“ sollen dazu ermutigen Gewaltbeziehungen zu beenden: (.v.l.) Lydia Wesemann, Miriam Wolfförster, Pia Kugis, Christa Eisenhardt, Birgit Altehoefer, Meike Hoffmannn,  Sarah Odnaboczka, vom Verein „Frauen helfen Frauen“, Bürgermeister Henning Schulz und die städtische Gleichstellungsbeauftragte Inge Trame
 
Info: Wichtige Telefonnummern:
Frauenberatungsstelle/Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt: Tel. 05241- 25 0 21
Frauenhaus Gütersloh: Tel. 05241 -34100
Wendepunkt e.V. (Anlauf- u. Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche)
Tel: 05241 -82 21 15
Bundesweites Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: kostenlose Rufnummer 08000 116 116

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