15. April 2024 / Allgemeines

Kind in Hundebox gesperrt: Schmerzensgeld vom Land verlangt

Der zwölfjährige Junge war zu Hause über Monate einem Martyrium ausgesetzt. Bei unangekündigten Visiten fanden Sozialarbeiter aber nur «Auffälligkeiten». Das soll jetzt Konsequenzen haben.

Die Mutter sperrte das Kind mehrfach für Stunden in eine Hundebox.
Veröffentlicht am 15. April 2024 um 16:12 Uhr von dpa

Im Fall des fast zu Tode gequälten Kindes, das in Österreich von seiner Mutter in eine Hundebox gesperrt worden war, verlangt der Anwalt des Opfers vom Bundesland Niederösterreich 150.000 Euro Schmerzensgeld.

Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe des Landes hätten «völlig unzureichend, somit rechtswidrig und schuldhaft auf die dramatische und lebensgefährliche Situation» des damals Zwölfjährigen reagiert, zitierte die Nachrichtenagentur APA aus dem ihr vorliegenden Schreiben des Anwalts. Die nicht adäquate Reaktion habe sich schädlich auf die körperliche und seelische Unversehrtheit des Jungen ausgewirkt. Das Land hat nun drei Monate Zeit, sich zu äußern.

«Gravierende Fehleinschätzung»

Bei zwei unangekündigten Hausbesuchen im Oktober und November 2022 seien nur Auffälligkeiten notiert, aber keine sogenannte Gefahr-Verzug-Maßnahme angeordnet worden, so der Anwalt. Eine «gravierende Fehleinschätzung», befand der Rechtsvertreter. Neben dem Schmerzensgeld verlangte er auch eine Haftung für sämtliche künftigen Schäden des Opfers. Wenige Tage nach dem letzten Besuch war der Zwölfjährige ins Koma gefallen und wurde in einem lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus eingeliefert.

Die 33-jährige Mutter hatte ihren Sohn über Monate gequält. Sie hatte ihn unter anderem gefesselt, geknebelt, ihn hungern lassen und eisiger Kälte ausgesetzt. Obendrein hatte sie ihn mehrfach für Stunden in eine Hundebox gesperrt. Das stark abgemagerte Kind hatte bei der Einlieferung ins Krankenhaus nur noch eine Körpertemperatur von knapp 27 Grad. Als Motiv gab die Mutter vor Gericht an, dass sie ihren angeblich aggressiven und aufsässigen Sohn zu einem braven Kind erziehen wollte. Sie bestritt aber die Mordabsicht.

Die Alleinerziehende war in einem Geschworenenprozess Anfang März wegen versuchten Mordes, Quälens oder Vernachlässigens unmündiger, jüngerer oder wehrloser Personen sowie wegen Freiheitsentziehung zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Eine ehemalige Freundin bekam wegen fortgesetzter Gewaltausübung als Anstifterin 14 Jahre Haft. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig.


Bildnachweis: © Christopher Eckl/APA/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Woche der kleinen Künste: Stadtbus-Linie 208 wird umgeleitet
Stadt Gütersloh

Pressemitteilung der Stadtwerke Gütersloh.

weiterlesen...
Giftmobil und Elektroschrottsammlung auf Herbsttour
Stadt Gütersloh

22 Haltestellen werden an drei Freitagen und drei Samstagen angefahren.

weiterlesen...
Goldener Kamm in Gütersloh
Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld

Am 11. Oktober treten die besten Nachwuchsfriseure aus Nordwestdeutschland in der Stadthalle Gütersloh gegeneinander...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Für Kinder tabu: EU-Kommission will Social Media erst ab 13
Allgemeines

Schluss damit, dass Kinder am Handy daddeln? In Deutschland und dem Rest der EU könnten soziale Netzwerke künftig erst ab dem Alter von 13 Jahren erlaubt sein. Was plant Brüssel?

weiterlesen...
Gütersloher Erbrechtstag 2026: Bürgerstiftung lädt ein
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 13. Oktober 2026 informieren Experten in Gütersloh über Erbrecht und Vermögensnachfolge.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Für Kinder tabu: EU-Kommission will Social Media erst ab 13
Allgemeines

Schluss damit, dass Kinder am Handy daddeln? In Deutschland und dem Rest der EU könnten soziale Netzwerke künftig erst ab dem Alter von 13 Jahren erlaubt sein. Was plant Brüssel?

weiterlesen...
Zeuge rettet Kind vor Zug – Mutter muss in Psychiatrie
Allgemeines

Eine Mutter bringt ihre vierjährige Tochter an die Gleise, ein Zeuge verhindert im letzten Moment die Katastrophe. Wegen versuchten Mordes stand die Frau vor Gericht. Nun fiel das Urteil.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner