11. Januar 2023 / Allgemeines

Lothar Wieler verlässt das Robert Koch-Institut

Vor 2020 kannte ihn wohl kaum jemand: Mit Beginn der Corona-Pandemie wurde Lothar Wieler jedoch zu einer der wichtigsten Stimmen im Land. Der RKI-Chef musste einige Kritik einstecken. Jetzt verabschiedet er sich.

Für die Politik war er einer der wichtigsten Berater in Pandemiefragen: Lothar Wieler.
von Mona Wenisch und Gisela Gross, dpa

Es waren drei herausfordernde Corona-Jahre für Lothar Wieler und das Robert Koch-Institut (RKI): Nun kündigt der RKI-Präsident seinen Abschied von dem Posten an. Wieler verlasse die zentrale Einrichtung für öffentliche Gesundheit des Bundes auf eigenen Wunsch zum 1. April. Das teilten das Bundesgesundheitsministerium und das RKI gemeinsam mit. Demnach will sich Wieler «neuen Aufgaben in Forschung und Lehre» widmen. Der Schritt sei in Einvernehmen mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erfolgt, hieß es.

«Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm habe ich über all die Jahre sehr geschätzt», sagte der Minister laut Mitteilung. «Ohne Prof. Wieler wäre Deutschland deutlich schlechter durch diese Pandemie gekommen. Dafür möchte ich mich auch im Namen der gesamten Bundesregierung ganz herzlich bedanken.» Wieler habe bei der Bewältigung der Pandemie «für das Land bleibende und herausragende Verdienste erworben».

Wieler war in der Corona-Pandemie eine zentrale Figur

«Es war ein Privileg, in dieser Krise an exponierter Position zusammen mit einem motivierten Team hervorragender Expertinnen und Experten arbeiten zu dürfen», sagte Wieler laut Mitteilung. Er dankte den RKI-Mitarbeitern für ihren «außergewöhnlichen Einsatz» und ebenso den Gesundheitsministern, mit denen er habe zusammenarbeiten dürfen.

Wieler war in der Corona-Pandemie eine zentrale Figur. Insbesondere zu Beginn informierte er regelmäßig bei Pressekonferenzen über die Entwicklung - stets im Anzug referierte er etwa die Infektionszahlen. Zuletzt trat der 61-Jährige seltener öffentlich in Erscheinung.

Für die Politik war er einer der wichtigsten Berater in Pandemiefragen. Für einige Gegner von Corona-Maßnahmen wurde er unterdessen zum Feindbild - ähnlich wie andere Wissenschaftler, die einen vorsichtigen Kurs im Umgang mit Sars-CoV-2 vertraten. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte Wieler im Oktober 2021, auch Morddrohungen hielten ihn nicht von seiner Arbeit ab. «Das Risiko hält mich aber nicht ab von meiner Pflicht. Solange ich Beamter dieses Staates bin, werde ich ihm verantwortungsvoll dienen.»

Was macht Wieler künftig?

Das RKI gehört zum Geschäftsbereich des Bundesgesundheitsministeriums. Diese Struktur war teils auch kritisiert worden. Wiederholt gerieten Wieler und das RKI unter politischen Druck und bekamen Kritik. Auch die Aussagekraft der vom RKI angegebenen Pandemie-Daten wurde immer wieder diskutiert.

Zum Verhältnis von Wieler und Lauterbach gab es immer wieder Spekulationen. In der Diskussion um die Verkürzung des Genesenenstatus Anfang 2022 hatte der Minister von einem «Kommunikationsproblem» zwischen dem RKI und seinem Hause gesprochen. Es ging damals darum, dass diese Änderung durch das RKI vorher nicht angekündigt worden war. Viele Bürger verloren quasi über Nacht ihr Recht, in Restaurants, Bars oder in Fitnessstudios zu gehen. Zuvor hatte es auch vor Bund-Länder-Beratungen zu Corona-Maßnahmen Kritik am RKI-Kommunikationsstil gegeben.

Details zu den Zukunftsplänen Wielers wurden nicht genannt. Der Mikrobiologe und Tiermediziner war seit 2015 RKI-Chef. Für eine Übergangszeit werde sein Stellvertreter Lars Schaade den Posten übernehmen, hieß es. Auf Twitter verwendete das RKI das Stichwort #DankeWieler - zahlreiche weitere Nutzer schlossen sich im Laufe des Nachmittages an.


Bildnachweis: © Carsten Koall/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Osterfeuer nur mit Tradition
Stadt Gütersloh

Umschichten vor dem Entzünden ist Pflicht.

weiterlesen...
Rheda-Wiedenbrück: B61 – Restarbeiten ab 13. April, Tempo 50 und Einspurbetrieb bis Freitag
Baustellen und Sperrungen

Straßen.NRW führt ab Montag letzte Bankett- und Markierungsarbeiten auf der B61 durch

weiterlesen...
Streik: Stadtbusse bleiben drei Tage stehen
Stadt Gütersloh

Von Donnerstag, 19. März, bis Sonntag, 22. März, um 4 Uhr.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Prüfaktion gegen Schwarzarbeit in München
Allgemeines

Kurz vor dem Bayern-Spiel rücken Hunderte Einsatzkräfte in München aus. Wen sie im Visier haben und warum mitten in der City kontrolliert wird.

weiterlesen...
Überraschende Wendung - ambitionierter Wal-Rettungs-Versuch
Allgemeines

Endstation Kirchsee vor der Insel Poel - danach sah es zuletzt für den dort gestrandeten Buckelwal aus. Nach einer überraschenden Wende soll ein ambitioniertes Vorhaben nun doch das Tier retten.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Prüfaktion gegen Schwarzarbeit in München
Allgemeines

Kurz vor dem Bayern-Spiel rücken Hunderte Einsatzkräfte in München aus. Wen sie im Visier haben und warum mitten in der City kontrolliert wird.

weiterlesen...
Überraschende Wendung - ambitionierter Wal-Rettungs-Versuch
Allgemeines

Endstation Kirchsee vor der Insel Poel - danach sah es zuletzt für den dort gestrandeten Buckelwal aus. Nach einer überraschenden Wende soll ein ambitioniertes Vorhaben nun doch das Tier retten.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner