Ludger Klein-Ridder ist Mitgründer der Fairtrade-Gruppe Gütersloh

Ludger Klein-Ridder ist Mitgründer der Fairtrade-Gruppe Gütersloh

Fair genießen, fair handeln, fair leben: Wenn Ludger Klein-Ridder mit einer Einkaufsliste unterwegs ist, sucht er als erstes nach Produkten, die das Fairtrade-Logo haben. Auch regionale Produkte werden bevorzugt. Die Bio-Gemüse-Kiste kommt seit Jahren regelmäßig ins Haus, Fleisch dagegen gar nicht. Ob Kaffee, Kekse oder Schokolade: „Wenn Genuss, dann auch mit Gewissen“, sagt Klein-Ridder. Und damit greift er eine Einstellung von Mahatma Gandhi auf, der sich gegen ein Vergnügen ohne Gewissen aussprach. Für Klein-Ridder, der im Jahr 2011 die Fairtrade-Gruppe Gütersloh mitbegründet hat, steht die Fairtrade-Idee, die sich gegen miserable Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und geringe Löhne in den Entwicklungsländern wendet, schon seit Jahrzehnten im Mittelpunkt. „Durch den Kauf von Fairtrade-Produkten erhält der Produzent eine Einnahme, mit der er sein Leben auskömmlich gestalten kann. Damit können wir alle etwas beitragen“, so Klein-Ridder.

Nicht nur durch das eigene Verhalten will er den fairen Handel fördern: „Wir wollen viele erreichen und für die Unterstützung des fairen Handels gewinnen,“ sagt Klein-Ridder. Viele Jahre hat er sich als Lehrer an der Anne-Frank-Schule dafür eingesetzt, für Umwelt- und gesellschaftliche Themen zu sensibilisieren und anhand des tagesaktuellen Geschehens aufzuzeigen, wie man sich einbringen kann.

Ein Thema fühlbar machen, vor Ort konfrontieren und Erfahrungen ermöglichen: das war sein Ansatz im Unterricht. Seine „Tropen-Arbeitsgemeinschaft“, eine Umweltgruppe, die er wegen der Ausbeutung des Regenwaldes initiierte, schwärmte in Gütersloh aus, um Befragungen zur Verwendung von Holz durchzuführen und damit zum Umdenken anzuregen, damit nur noch heimisches Holz verwendet wird. Bereits als Lehramtsanwärter im Siegerland motivierte er seine Schülerinnen und Schüler Fairtrade-Produkte aus Wuppertal zu holen, um diese an zwei Tagen auf einem Gemeindefest zu verkaufen. Solche konkreten Aktionen bleiben hängen. „Das hatte eine nachhaltige Wirkung auf die Schüler“, sagt Klein-Ridder.

Ein weiterer Meilenstein war das Projekt Fifty/Fifty, Energie- und Wassersparen an Gütersloher Schulen, wobei das ersparte Geld energiesparenden Investitionen zu Gute kam. Mit dem Solarförderverein der Anne-Frank-Gesamtschule unterstützt Ludger Klein-Ridder seit sieben Jahren die Fairtrade-Gruppe. In Gisela Kuhlmann vom Fachbereich Umweltschutz hatte der engagierte Lehrer eine Mitstreiterin gefunden, die die Fairtrade Gruppe seit der Gründung koordiniert. Zusammen mit allen Mitgliedern stellen sie jedes Jahr im September die Fairen Wochen mit einer Vielzahl von Veranstaltungen – vom fairen Frühstück über den Kleidertausch bis hin zum fairen Würzen – auf die Beine.

Auch im Ruhestand will Ludger Klein-Ridder weiterhin vor allem junge Menschen für die Fairtrade-Idee begeistern. „Wir brauchen Menschen, die sich engagieren wollen, um soziale und gerechte Produktionsbedingungen zu unterstützen“, sagt Klein-Ridder. Er freut sich auch über kleine Erfolge. Zum Beispiel über den Schüler, der Imker geworden ist und bei dem er heute noch seinen Honig kauft. Als Fairtrade-Mitstreiter sieht er sich auch als Botschafter, der mit kleinen Gesten aufmerksam macht, wie zum Beispiel den Gütersloher Fair-Trade-kaffee, den er auch gerne als Geschenk in Güterslohs Partnerschaft Châteauroux mitbringt.

Natürlich wünscht er sich mehr Mitstreiter, mehr Engagement und mehr Menschen, die die Fairtrade-Idee voranbringen. Manchmal ist es zugegeben auch ein wenig frustrierend, wenn die Dinge sich nur langsam entwickeln. Aber der missionarische Geist von Ludger Klein-Ridder siegt über derlei Stimmungen: „Denn wer sich nicht engagiert, macht es nur noch schlimmer“.

Bild: Ludger Klein-Ridder wirbt für eine faire Produktion und faire Preise: Wer beim Einkauf auf das Fairtrade-Logo achtet, kann Gutes tun.

Fairtrade-Steuerungsgruppe
In diesem Jahr will die Stadt Gütersloh erneut das Siegel „Fairtrade-Town“ erhalten und rezertifiziert werden Dazu müssen mehrere Kriterien erfüllt werden, wie zum Beispiel das Angebot von Fairtrade-Produkten in öffentlichen Einrichtungen, Schulen und Vereinen. Die Fairtrade-Steuerungsgruppe hatte nach dem Ratsbeschluss im Jahr 2011 zur Bewerbung um den Titel „Fairtrade-Town“ ihre Arbeit aufgenommen. Zusammen mit dem starken Team der Steuerungsgruppe, bestehend aus dem Solarenergieförderverein der Anne-Frank-Gesamtschule, der Evangelischen Kirchengemeinde, dem Eine-Welt-Kreis der Katholischen Kirchengemeinde, der attac Regionalgruppe Gütersloh, Gütersloh Marketing, dem Kolpingwerk sowie weiteren engagierten Bürgern, überzeugte der Einsatz der  Akteure, so dass die Stadt Gütersloh im Jahre 2014 erneut zertifiziert wurde. Neben der Herausgabe des fair gehandelten Gütersloher Stadtkaffees hat das umfangreiche Programm in den fairen Wochen mit Stadtrundgängen, Kinofilmen, Vorträgen und Kaffeeproben zur Popularität der fairen Produkte beigetragen. Mit der Gründung des Vereins Café Fairleben sowie Unterrichtsprojekten und Thementagen an Schulen konnten darüber hinaus weitere Mitstreiter gewonnen werden. Zentrale Koordinatorin und Ansprechpartnerin ist Gisela Kuhlmann. Zu erreichen ist die Umweltberaterin per E-Mail an Gisela.Kuhlmann@guetersloh.de.

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