2. März 2023 / Allgemeines

Missbrauch durch Schwimmlehrer - Mann schweigt im Prozess

Dieser Fall hatte vor fünf Jahren schon einmal Aufsehen erregt: Ein Schwimmlehrer hatte sich in 133 Fällen an mehreren Mädchen vergangen. Kommt er nach seiner Haftstrafe frei? Das muss nun geklärt werden.

2018 war ein Schwimmlehrer vom Landgericht Baden-Baden wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden.
Veröffentlicht am 2. März 2023 um 16:53 Uhr von dpa

Ein wegen Kindesmissbrauchs in mehr als 130 Fällen verurteilter Schwimmlehrer hat zum Auftakt eines Prozesses um seine Sicherungsverwahrung geschwiegen. Sein Mandant mache keine Angaben, sagte der Anwalt des 38-Jährigen am Donnerstag vor dem Landgericht Baden-Baden. Eine Jugendkammer dort muss nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) prüfen, ob der Verurteilte nach Absitzen seiner Haftstrafe frei kommt oder weiter hinter Schloss und Riegel bleiben muss. Eine Entscheidung könnte nach den bisherigen Planungen kommende Woche Freitag (10. März) fallen.

Im November 2018 hatte eine andere Kammer des Gerichts den Mann wegen teils schweren sexuellen Missbrauchs zu zwölf Jahren Haft verurteilt und die anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet. Diese verhängen Gerichte im Gegensatz zur Haft nicht als Strafe, sondern als präventive Maßnahme. Sie soll die Bevölkerung vor Tätern schützen, die auch nach Verbüßung der Haft als gefährlich gelten.

Mehr als 30 Mädchen

Die Opfer des Schwimmlehrers waren mehr als 30 Mädchen im Alter von vier bis zwölf Jahren. Der Mann hatte die Kinder dem ersten Urteil zufolge genötigt, sie grob im Intimbereich verletzt und zwei Opfer sogar mit dem Tod bedroht, sollten sie nicht schweigen. Die Taten geschahen während seiner Schwimmkurse entweder im Wasser oder in den Umkleidekabinen. Einige filmte der Mann auch. Zum Auftakt des erneuten Verfahrens lasen drei Mitglieder des Gerichts mehr als eine Stunde lang das alte Urteil vor, gingen Fall für Fall durch.

Die Verbrechen hatte der Angeklagte im ersten Prozess zu bagatellisieren versucht und zum Teil - trotz der Aufnahmen, die auch ihn zeigten - abgestritten. Das Landgericht wertete dies als Zeichen seiner Gefährlichkeit und begründete damit die Sicherungsverwahrung.

Gegen das Urteil legte der Mann Revision ein. Der BGH bestätigte das Strafmaß, kassierte im Jahr 2019 wegen Rechtsfehlern aber die Sicherungsverwahrung. Er sah in den Äußerungen des Mannes zulässiges Verteidigungsverhalten. Daher wird nun neu verhandelt.

Das Gericht muss dabei unter anderem versuchen zu klären, inwieweit der Mann rückfallgefährdet ist. Ein Sachverständiger hatte dem Mann seinerzeit pädophile Neigungen und wenig Einsichtsfähigkeit und Willen zur Veränderung bescheinigt. Auch jetzt sind Fachleute und Zeugen geladen, die bei der Einschätzung helfen sollen.


Bildnachweis: © Philipp von Ditfurth/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.

weiterlesen...
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zahl der Ebola-Fälle in Kenia steigt auf sieben
Allgemeines

Anfang Oktober reiste ein mit Ebola infizierter Mann aus dem Ostkongo über Uganda nach Kenia. Jetzt haben sich bereits sechs Menschen bei ihm angesteckt.

weiterlesen...
Mehr als 158 Jahre Haft für Mord an drei Surfern in Mexiko
Allgemeines

Die Surfer aus Australien und den USA waren im Urlaub an der mexikanischen Pazifikküste. Sie wurden von Kriminellen beim Zelten überrascht und getötet. Jetzt steht ein Urteil fest.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zahl der Ebola-Fälle in Kenia steigt auf sieben
Allgemeines

Anfang Oktober reiste ein mit Ebola infizierter Mann aus dem Ostkongo über Uganda nach Kenia. Jetzt haben sich bereits sechs Menschen bei ihm angesteckt.

weiterlesen...
Mehr als 158 Jahre Haft für Mord an drei Surfern in Mexiko
Allgemeines

Die Surfer aus Australien und den USA waren im Urlaub an der mexikanischen Pazifikküste. Sie wurden von Kriminellen beim Zelten überrascht und getötet. Jetzt steht ein Urteil fest.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner