19. Juli 2022 / Allgemeines

Von Löss und Schluff und warum Dürre nicht gleich Dürre ist

Jahrelang waren Sommer in Deutschland einfach nur Sommer. Seit einiger Zeit aber sind sie auch hierzulande Hitzewellen, Dürreperioden und Wassermangel. Nun wird es Zeit für einen differenzierten Blick.

Acht Eichen werfen ihren Schatten auf eine vertrocknete Wiese am Zwenkauer See in Sachsen.
von Marco Krefting, dpa

Wenn der Boden so knattertrocken ist, dass er aufreißt, bekommt das Wort Erdkruste eine ganz andere Bedeutung. Immer häufiger herrscht auch in Deutschland eine solche Trockenheit, dass Flüssen das Wasser fehlt und Pflanzen auf den Äckern darben.

Experten unterscheiden vier Arten von Dürren, wie Klimaforscher Harald Kunstmann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Uni Augsburg sagt. Als meteorologische Dürre wird dabei der Mangel an Niederschlag im Vergleich zu einer Referenzperiode bezeichnet. Das könnten zum Beispiel 30 Jahre sein, wie Kunstmann erklärt. «Das kann von Land zu Land unterschiedlich sein.» In manchen Regionen lägen gar keine ausreichenden Daten über solch lange Zeitreihen vor.

Bei den drei anderen Dürren geht es Kunstmann zufolge vor allem um deren Auswirkungen: Bei hydrologischer Dürre würden zum Beispiel Effekte unzureichender Schneeschmelze auf die Pegelstände von Seen und Flüssen betrachtet - ein Phänomen, das gerade am Po in Italien zu sehen ist. Laut der Definition des Deutschen Wetterdienstes (DWD) spricht man von hydrologischer Dürre, wenn es mindestens vier Monate trockener ist als üblich. Von landwirtschaftlicher Dürre ist schon nach zwei Monaten die Rede. Dann drohen Ernteeinbußen.

Die sozioökonomische Dürre tritt für den Wetterdienst ab einem Jahr Wassermangel ein, der die produzierende Wirtschaft bremst. Im Grunde seien das die Folgen der anderen Dürrearten etwa auf das Angebot von Gemüse, Fisch, Wasserkraft, sagt Kunstmann. Hier stelle sich auch die Frage, wie der Mensch eingreifen kann - zum Beispiel dürreresistentes Saatgut verwenden oder Felder bewässern.

Einfach ist es nicht

Nicht automatisch aber werde aus einem Niederschlagsdefizit ein Defizit an Bodenfeuchte, macht der Fachmann klar. «So einfach ist das nicht.» Am besten für den Boden sei jeden Tag ein bisschen Landregen. Es komme bei Trockenperioden immer darauf an, wie der Niederschlag zeitlich versetzt fällt und wie die Pflanzen wachsen. «Das kann für Mais was anderes bedeuten als für Raps.»

Getreide brauche generell weniger Wasser als Gemüse, sagt Frank Glante, Fachgebietsleiter «Bodenzustand, Bodenmonitoring» des Umweltbundesamtes (UBA). Landwirte könnten zudem Zwischenfrüchte auf ihren Äckern anbauen, um das Verdunsten zu verringern. Denn Wind trage erheblich zum Austrocknen bei, erläutert der Fachmann.

Zudem kommt es auf die Bodenbeschaffenheit an: Je humusreicher und tonhaltiger ein Boden sei, desto besser könne er in den oberen Schichten Wasser speichern, sagt Glante. Am meisten sogenanntes pflanzenverfügbares Wasser speichern Schluffböden, wie Florian Stange von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) erklärt. Die Partikel im Boden seien mittelgroß - zwischen Sand und Ton.

Der «Boden des Jahres»

Ein sehr guter Wasserspeicher sei der Lössboden, der 2021 zum «Boden des Jahres» gekürt wurde, sagt Stange. Während ein Sandboden jede Woche einen Schauer brauche, könnten Lössböden sechs Wochen ohne Regen ausharren. Löss besteht überwiegend aus Schluff, manchmal auch aus Feinsand. Mit optimaler Porenstruktur speichert er Wasser - anders als Ton - auch so, dass Pflanzen es gut abzapfen können.

Er kommt nach Angaben der Bundesanstalt etwa in der Jülich-Zülpicher Börde am Nordrand der Eifel über die Magdeburger Börde bis hin zur Leipziger Tieflandschlucht und dem sächsischen Hügelland vor. In Süddeutschland lagerte sich der Löss demnach in den Bereichen nördlich der Schotterfluren der Alpenflüsse, im Oberrheintal und im Mittelgebirgsraum in den weiten Tälern und Beckenlandschaften ab.

Wichtig ist Stange zufolge organische Substanz im Boden, also Humus. Zum einen speichere er selbst Wasser, wie Moore und Torfböden zeigen. Zum anderen bilde er Strukturen im Boden, die beim Wasserspeichern helfen. Das vermindere das Problem allerdings nur und löse es nicht: «Ein Sandboden wird durch Humus nicht zu Schluff», sagt Stange.

Daher würden gute Lössböden in der Regel als Ackerflächen genutzt. Wald wachse eher auf kärgerem Boden. «Deswegen sehen wir die Probleme mit der Trockenheit jetzt auch insbesondere da», erklärt der Experte.

Und die Thematik ist tieferliegend: Selbst ein kräftiger Landregen würde nicht ausreichen, um die nach mehreren trockenen Jahren vielerorts ausgedörrten Grundwasserspeicher aufzufüllen, wie Glante vom Umweltbundesamt betont. «Das ist eine so lange Trockenperiode, dass es zum Auffüllen eines mehrwöchigen Regens bedürfte.»

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) simuliert mit seinem Dürremonitor einen Bodenfeuchteindex aus verschiedenen Parametern bis zu einer Tiefe von rund 1,80 Meter sowie bis zu 25 Zentimetern. Die Bundesländer haben eigene und - typisch Föderalismus - teils unterschiedliche Herangehensweisen. Es gebe keinen Anspruch auf übergeordnete Gültigkeit, sagt Kunstmann. Aus seiner Sicht ist es nicht entscheidend, dass sich alle Wissenschaftler über die genaue Meterzahl einig sind, in der etwa Bodenfeuchte betrachtet wird. «Die Grundannahmen sind die gleichen.»


Bildnachweis: © Jan Woitas/dpa
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