22. September 2020 / Wusstest du das?

Immaterielles Kulturerbe

Bundesrepublik würdigt die Friedhofskultur

©Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh
von VS

Durch Corona untergegangen aber dennoch nicht vergessen: Die deutsche UNESCO-Komission hat eine Emfehlung ausgesprochen, dass die Friedhofskultur in das bundesweite Kulturerbe mit aufgenommen werden sollte. Dafür wurden nun Schilder platziert.

Pressemitteilung Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh:

Die Friedhöfe der Evangelischen Kirchengemeinde als älteste Friedhöfe im Stadtgebiet stehen jetzt im Zeichen des immateriellen Kulturerbes Friedhofskultur: Die Friedhofsverwaltung brachte am Freitagmorgen entsprechende Schilder am Haupteingang des Neuen Evangelischen Friedhofs an der Friedhofstraße, am Eingang zum Alten Friedhof Unter den Ulmen neben dem historischen Portal und auf dem Johannesfriedhof im Zugangsbereich vom Hauptparkplatz an, um so auf die wichtige Bedeutung der Friedhofskultur für unsere Stadt aufmerksam zu machen. Die Evangelische Kirchengemeinde Gütersloh  ist damit Teil eines bundesweiten Netzwerks von über 100 Städten und Kirchengemeinden, die den diesjährigen Tag des Friedhofs an diesem Sonntag der Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe widmen.

Bereits im März hatte die Kultusministerkonferenz auf Empfehlung der Deutschen UNESCO-Kommission diese Ernennung zum immateriellen Kulturerbe beschlossen. Allerdings ging die Auszeichnung im Corona-Lockdown völlig unter, weshalb man jetzt mit der Aktion „Friedhöfe auszeichnen“ auch bei uns in der Evangelischen Kirchengemeinde Gütersloh auf dieses vielschichtige Kulturerbe aufmerksam macht. „Es sind nicht die Friedhöfe an sich zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden“, erläutert die Friedhofsleiterin Susanne Laab, „sondern die Friedhofskultur, also all das, was Menschen auf dem Friedhof tun.“ Dazu gehöre das Trauern, Erinnern und Würdigen genauso wie das Gestalten, Pflegen und Weiterentwickeln.

„Der Friedhof ist vor allem auch ein Ort der Lebenden“, berichtet Susanne Laab. weiter, „der weit über die persönlichen Trauerrituale hinaus identitätsstiftende Bedeutung für unsere Gesellschaft hat.“ Hervorzuheben ist zum Beispiel die historische Dimension der Denkmäler. Der Kulturraum Friedhof bildet zudem den größten Skulpturenpark unserer Stadt und ist zugleich Inspirationsfläche für viele Kunstformen. Besonders bedeutsam ist seine soziale Funktion: Der Friedhof erweist sich als Treffpunkt für Familien oder Angehörige und wirkt auch sozialer Vereinsamung von Hinterbliebenen entgegen. Nicht zuletzt zeigt sich dieser Kulturraum über kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg als ein Ort der Integration und des Friedens. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der Friedhöfe für den Naturschutz, zum Beispiel auch als Ort der Biodiversität.

Grundvoraussetzung für die Ernennung der Friedhofskultur in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe war für die UNESCO „die Lebendigkeit der kulturellen Ausdrucksform“. Es gehe nicht um ein mumifizieren unserer Friedhöfe, meint Susanne Laab., sondern um deren zeitgerechte Weiterentwicklung. So werde man auch in Zukunft Bestattungsformen anbieten, die den Wünschen der Menschen entsprechen wie z.B. naturnah gestaltete oder pflegeleichte bzw. pflegefreie Grabformen.

Die Auszeichnung  der Friedhöfe unserer Kirchengemeinde hat das „Kuratorium Immaterielles Erbe Friedhofskultur“ initiiert, das sich der Pflege und Weiterentwicklung dieses Kulturerbes verschrieben hat. Auf seiner Seite www.kulturerbe-friedhof.de finden sich umfangreiche Informationen über die Friedhofskultur in Deutschland, die Ernennung zum immateriellen Kulturerbe und deren Bedeutung für unsere Gesellschaft. 

Foto: v.l.n.r. Susanne Laab (Friedhofsleitung), Karl-Heinz Wagener und Ulrich Granow (Presbyter und Fachausschuss Friedhof)

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