26. April 2023 / Allgemeines

Konsum von Tabak und Alkohol weiter auf hohem Niveau

Nikotin und Alkohol haben laut Experten weiter einen hohen Stellenwert in Deutschland. Ein neuer Bericht zeigt Entwicklungen beim Konsum legaler und illegaler Drogen - und dokumentiert einen weiteren Boom.

Die Zahl der Raucherinnen und Raucher ist rückläufig.
Veröffentlicht am 26. April 2023 um 12:08 Uhr von dpa

Der Konsum von Tabak und Alkohol geht in Deutschland weiter zurück, liegt nach Einschätzung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) aber weiter auf hohem Niveau. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten «Jahrbuch Sucht 2023» hervor. Die Ausgaben für Tabakwaren reduzierten sich demnach 2022 auf 27,1 Milliarden Euro - ein Minus von 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Verbrauch von Fertigzigaretten sank um 8,3 Prozent auf 65,8 Milliarden Stück, während der Verbrauch von Feinschnitt für selbstgedrehte Zigaretten um 0,9 Prozent leicht auf rund 25.000 Tonnen anstieg. Bei Zigarren und Zigarillos sei der Verbrauch um 8,9 Prozent auf 2,5 Milliarden Stück zurückgegangen.

In den vergangenen Jahren hatten die Suchtberichte darüber hinaus einen Anstieg beim Konsum von Shisha-Wasserpfeifentabak aufgezeigt. Für 2022 sei kein Vergleich möglich, da der Verbrauch von Wasserpfeifentabak und erhitztem Tabak in neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht enthalten sei, erläuterte DHS-Geschäftsführerin Christina Rummel. «Ein Abfall der Zahlen ist in diesem Bereich aber nicht zu erwarten.»

Insgesamt weniger Raucher

Insgesamt ist der Anteil der Raucher weiter rückläufig. Laut Mikrozensus rauchten 2021 noch rund 16 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer. Bei den Themen Tabakprävention und Tabakkontrolle zähle Deutschland im internationalen Vergleich dennoch weiter zu den Schlusslichtern, sagt Rummel. «Maßnahmen, um den Tabakkonsum und die Passivrauchbelastung nachhaltig zu verringern, müssen wir konsequent weiter fortführen und ausbauen.»

Auch beim Alkohol gibt es nach Einschätzung der DHS-Geschäftsführerin «noch viel zu tun». 7,9 Millionen Deutsche konsumieren laut Suchtbericht Alkohol «in gesundheitlich riskanter Weise». Das entspricht einer täglichen Menge von zwölf Gramm reinem Alkohol bei Frauen und 24 Gramm bei Männern, also einem bis zwei kleinen Gläsern Bier.

«Obwohl der Alkoholkonsum im Vergleich zu den Vorjahren weiter gesunken ist, wird in Deutschland immer noch deutlich mehr Alkohol getrunken als im weltweiten Durchschnitt», sagte der DHS-Vorstandsvorsitzende Norbert Scherbaum. Alkohol als vermeintliches Kulturgut sei gesellschaftlich breit akzeptiert.

Ein längeres Leben ohne Alkohol

«Selbst geringe Mengen Alkohol können krank machen», schilderte der Alkoholforscher und Jahrbuch-Autor Ulrich John vom Uniklinikum Greifswald. Alkoholverzicht könne Frauen ein Plus an Lebenszeit von mindestens 16 Jahren einbringen, bei Männern seien es mindestens 10 Jahre.

Neben Präventionskampagnen zum individuellen Konsum etwa an Schulen fordern die DHS-Experten mehr strukturelle politische Maßnahmen. «Hier geht es vor allem um drei Punkte: das Anheben der Alkoholpreise, eine Einschränkung der aktuellen 24/7-Verfügbarkeit und die Regulierung von Alkoholwerbung», sagte Rummel. Strukturelle Prävention sei nachweislich wirksam und verringere auch die Kosten des Konsums für die Gesamtgesellschaft. «Alkohol schadet mit jedem Schluck», betonte Rummel. «Es ist ein Zellgift.»

Im Bereich der illegalen Drogen ist den Experten zufolge Cannabis sowohl bei Jugendlichen als auch unter Erwachsenen am weitesten verbreitet. Aktuellen Schätzungen zufolge haben etwa 4,7 Millionen Erwachsene im Alter zwischen 18 und 64 Jahren sowie etwa 374 000 Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren in den letzten 12 Monaten eine illegale Droge konsumiert.

Beim Glücksspielmarkt zeigt der Bericht für 2021 einen Umsatz-Anstieg um 14,6 Prozent auf 53,4 Milliarden Euro. Das sei insbesondere auf eine im Juli 2021 erfolgte Änderung des Glücksspielstaatsvertrags zurückzuführen, die Sportwetten bundesweit legalisierte. Demnach wuchsen Sportwetten allein 2021 um 409,6 Prozent auf einen Umsatz von 18,3 Milliarden Euro. Für 2022 liegen noch keine Zahlen vor. «Wir sehen das sehr kritisch und behalten das im Auge», betonte Rummel.

Sportwetten und Spielbanken

Der Beauftragte der Bundesregierung für Suchtfragen, Burkhard Blienert, plädierte für strengere Regeln bei der Werbung für Sportwetten. Die Länder seien dafür am Zug und müssten im Glücksspielstaatsvertrag nachsteuern, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Sie müssten jetzt die Frage klären, «ob vor allem Fußball weiterhin über Bande von der ersten bis zur letzten Minute für verharmlosende Sportwetten herhalten muss». Damit würden die Länder ein klares Signal auch für eine sportwettenfreie Fußball-Europameisterschaft 2024 setzen.

Spielbanken und Automaten haben laut DHS zwischen 2020 und 2021 an Bedeutung verloren. Zumindest teilweise sei dies auch durch die Corona-Pandemie zu erklären, sagte Rummel. Glücksspiel habe sich von Lokalen ins Internet verlagert.


Bildnachweis: © Sven Hoppe/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

Michaeliswoche 2026: Das erwartet euch in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Vom 25. September bis 4. Oktober bietet die Michaeliswoche in Gütersloh Kirmes, Straßenkunst und ein Familienprogramm.

weiterlesen...
Straßenfiffi und verkaufsoffener Sonntag am 27. September in Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Am 27. September 2026 bietet Gütersloh von 13 bis 18 Uhr Straßenkunst auf Berliner Platz und Kolbeplatz sowie einen verkaufsoffenen Sonntag.

weiterlesen...
Publikumspreis für „changes“ am Theater Gütersloh
Lokalnachrichten aus Gütersloh

Das Stück „changes“ von Maja Zade erhielt den Publikumspreis in Gütersloh.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Schlag gegen Goldschmuggler - Durchsuchungen bei Juwelieren
Allgemeines

Eine Bande soll jahrelang mit schmutzigem Geld Altgold angekauft und dieses dann zu Barren eingeschmolzen haben. So sollen die Verdächtigen Gold im Millionenwert in die Türkei gebracht haben.

weiterlesen...
Behörde: Untersuchungen in Irkutsk zeigen keine Pestfälle
Allgemeines

Fast 5.000 Tests, aber keine gefährlichen Erreger gefunden: Russische Behörden informieren über die Seuchenvorbeugung nach dem Todesfall in Sibirien.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Schlag gegen Goldschmuggler - Durchsuchungen bei Juwelieren
Allgemeines

Eine Bande soll jahrelang mit schmutzigem Geld Altgold angekauft und dieses dann zu Barren eingeschmolzen haben. So sollen die Verdächtigen Gold im Millionenwert in die Türkei gebracht haben.

weiterlesen...
Behörde: Untersuchungen in Irkutsk zeigen keine Pestfälle
Allgemeines

Fast 5.000 Tests, aber keine gefährlichen Erreger gefunden: Russische Behörden informieren über die Seuchenvorbeugung nach dem Todesfall in Sibirien.

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner