11. Juli 2020 / Aufklärung

Jeder zweite Wohnungsbrand entsteht in der Küche

Herkömmliche Rauchmelder reichen nicht aus

Küchenbrand
von Kreis Gütersloh

Den Küchenbrand mit zwei Verletzten Personen und einem unbewohnbaren Haus in Versmold nimmt der Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung und -aufklärung des Kreisfeuerwehrverbands, Stefan Budde, zum Anlass, um auf die noch recht unbekannten Herdwächter hinzuweisen. Laut der aktuellen Brandschadenstatistik der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) entstehen 48 Prozent aller Wohnungsbrände in der Küche, welche damit einen Risikoschwerpunkt darstellt.
 
Die Brandentstehungsquelle Nummer 1 ist dabei der Herd beziehungsweise der Ofen. Der Statistik zufolge gehen 78 Prozent der Küchenbrände von diesen Geräten selbst oder der fehlerhaften Anwendung dieser Geräte aus.
Ein Herdbrand kann beispielsweise entstehen, wenn das Essen auf dem Herd vergessen wird, Öl in einer Pfanne zu heiß wird oder eine Herdplatte nach dem Kochen nicht abgeschaltet wird.

Im Handumdrehen können Flammen auf die Dunstabzugshaube oder Küchenschränke übergreifen und sich auf die gesamte Küche ausbreiten. Nicht selten entstehen dann Kosten im vier- bis fünfstelligen Bereich, unbewohnbare Wohnungen, Personenschäden wie Rauchgasvergiftungen oder gar Todesfälle.
 
Obwohl jeder zweite Wohnungsbrand seinen Ursprung in der Küche nimmt, sind diese in Sachen Brandschutz meist unbewacht. Herkömmliche Rauchmelder eignen sich für Küchen aufgrund des erhöhten Fehlalarmrisikos durch Kochdämpfe nicht. Bis der Rauch, der bei einem Herdbrand entsteht, den nächstgelegenen Rauchwarnmelder erreicht, geht daher oft wertvolle Zeit verloren.

Um diese Sicherheitslücke zu schließen und vor Herdbränden zu schützen, wurden sogenannte Herdwächter entwickelt. Sie überwachen das Kochfeld mit einem Thermo- und Infrarotsensor und warnen bei Erreichen einer kritischen Temperatur oder bei zu starkem Temperaturanstieg innerhalb kurzer Zeit mit einem akustischen Alarmsignal. Zusätzlich wird bei Geräten, die nach der Norm EN50615 Kategorie B geprüft sind, die Stromzufuhr zum Herd automatisch unterbrochen und das Kochfeld damit abgeschaltet. So können Herdbrände ohne größeren Aufwand verhindert und größere Schäden vorgebeugt werden.
 
Derartige Geräte zur Herdüberwachung sind besonders im skandinavischen Raum bereits weit verbreitet. Norwegen zum Beispiel führte bereits im Jahr 2015 eine Pflicht zum Einbau von Herdwächtern in Neubauten ein. In Deutschland ist die Existenz solcher Lösungen derzeit allerdings noch weitestgehend unbekannt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, wie auch der Küchenbrand in Versmold zeigt. Das Phänomen vergessenes Essen oder auch falsche Herdplatte eingeschaltet tritt nicht nur, wie oft vermutet, bei älteren Menschen auf, sondern in allen Altersschichten. Aus diesem Grund sind Herdwächter für alle Haushalte empfehlenswert.
 
Bildzeile: Stefan Budde, Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung und -aufklärung des Kreisfeuerwehrverbands.           
Foto: Kreisfeuerwehrverband

Ihre Nachrichten fehlen auf der Gütersloh App? 

Meistgelesene Artikel

„Ich genieße jeden Tag“
Stadt Gütersloh

Dienstjubilare der Stadt Gütersloh werden im Flussbetthotel geehrt.

weiterlesen...
„Gütersloh International“ feiert die Vielfalt der Kulturen mit zwei Neuheiten
Stadt Gütersloh

Mehr als 40 Stände, ein internationales Bühnenprogramm und neue Angebote für Kinder machen das Fest erneut zum...

weiterlesen...
Kreis Gütersloh: Nur 9 Prozent der Wohnungen sind wirklich fit fürs Alter
lokalnachrichten kreis gütersloh

Bald gehen 58.800 Menschen im Kreis in Rente. Doch in den meisten Wohnungen lässt sich kaum alt werden, zeigt eine neue Studie.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Nabu: Zahl der Störche hat sich mehr als verfünffacht
Allgemeines

In 1980er Jahren gab es in vielen Regionen gar keine mehr. Nun geht der Naturschutzbund von 15.000 brütenden Storchenpaaren bundesweit aus. Wie es dazu kam - und wo die Storchendichte am höchsten ist.

weiterlesen...
Waldbrand bei Madrid wird immer größer
Allgemeines

Feuerwalze nahe Madrid bedroht 30 Dörfer, mehr als 26.000 Hektar sind schon zerstört. Hunderte kämpfen gegen Wind und Gluthitze – und die nächste Hitzewelle steht bevor.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Im Winter frieren viele schneller – selbst in warmen Räumen
Aufklärung

Was Kälte, Bewegung und unser Körpergefühl im Januar miteinander zu tun haben

weiterlesen...
Wie Du einzigartige Kindergartenfotos am Besten einfängst
Aufklärung

Authentische Kinderfotos mit Tiny Treasure Fotografie

weiterlesen...
ANZEIGE – Premiumpartner